Ein Gespräch mit Michael Sörgel, Gründer und CEO der Somitec

Die digitale Bedrohungslage wächst rasant, doch viele Unternehmen unterschätzen noch immer ihre eigene Angreifbarkeit. Genau hier setzt die Somitec an: Das 2003 gegründete Systemhaus hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Managed Service Provider entwickelt, der vor allem mittelständischen Unternehmen mit ganzheitlichen, individuellen und praxistauglichen IT-Lösungen zur Seite steht. Im Zentrum steht dabei nicht nur Technik, sondern Vertrauen – und der Anspruch, die IT-Sicherheit seiner Kunden nachhaltig zu stärken.
Im Interview mit Michael Sörgel, Gründer und CEO der Somitec, gehen wir der Frage nach, warum grundlegende Sicherheitsmaßnahmen wie Backups oder Multi-Faktor-Authentifizierung oft vernachlässigt werden, welche Verantwortung Führungskräfte bei der Abwehr von Cyberangriffen tragen und wie ein kleineres, persönliches Unternehmen in Zeiten wachsender digitaler Risiken den Unterschied machen kann.
Sörgel, selbst Familienvater, Compliance Manager, Datenschutzbeauftragter und zertifizierter Auditor, bringt nicht nur Fachwissen mit, sondern auch eine klare Haltung: „Wir verkaufen Vertrauen, keine technischen Lösungen.“ Mit dieser Philosophie möchte er Unternehmen sensibilisieren, Prozesse verbessern und das Bewusstsein schärfen – nicht zuletzt, um zu verhindern, dass Angreifer noch reicher werden.
Freuen Sie sich auf ein spannendes Gespräch über IT-Sicherheit als Herzensangelegenheit, den Mut, neue Wege zu gehen, und darüber, warum „Business Karma“ in der Digitalisierung eine entscheidende Rolle spielt.
Silicon Valley Europe: Herr Sörgel, Sie haben die Somitec bereits 2003 gegründet und seither vom klassischen Systemhaus zum Managed Service Provider weiterentwickelt. Was war für Sie der entscheidende Moment, diesen Weg einzuschlagen?
Michael Sörgel: Der Weg begann vor 12 Jahren, einer meiner Beweggründe war, meinen Kunden flexible und hochwertige Services anzubieten, ohne den für viele KMU’s schwer zu stemmenden Anfangsinvest.
Mit unseren Managed Services können sich auch kleinen Unternehmen IT Services im Enterprise Level leisten.
Silicon Valley Europe: Viele Unternehmen unterschätzen grundlegende Sicherheitsmaßnahmen wie Backups oder Multi-Faktor-Authentifizierung. Woran liegt es Ihrer Erfahrung nach, dass diese Basics oft vernachlässigt werden?
Michael Sörgel: Ganz verstehe ich es immer noch nicht. Sicher ist es kein finanzielles Problem, ein guter Teil der Basismaßnahmen kosten nahezu nichts. Selbst meine Erfahrung und Tipps verschenke ich, bis zu einem gewissen Grad, um das Thema voranzubringen.
Unwissenheit, Sorglosigkeit, Ignoranz.
Unwissenheit, da es nicht klar und einfach genug kommuniziert wird, auch von den IT-Dienstleistern. Da nehme ich mich auch nicht aus. Aber wir bemühen uns seit Jahre das Thema zu fokussieren und inzwischen ist es, bei den von uns betreuten Kunden, angekommen.
Sorglosigkeit, „Wir sind nicht interessant für einen Cyberangriff“, „Wir sind bestens versorgt“ oder mein Favorit: „Wir sind ISO zertifiziert…“
Ignoranz: Ratschläge werden ignoriert oder es fehlt ein „Lesson learned“ nach einem Vorfall. Leider gilt das für alle Unternehmer, IT-Abteilungen und IT-Dienstleister. Das soll nicht belehrend klingen, aber manchmal kommen mir die „virtuellen Tränen“, wenn man den Umgang mit der IT-Sicherheit begutachtet.
Das frustriert und motiviert zugleich, weil ich sehe welcher Bedarf noch herrscht und aufgeben war noch nie eine Option für mich.
Silicon Valley Europe: Sie betonen, dass Somitec keine reinen technischen Lösungen verkauft, sondern Vertrauen. Was bedeutet das konkret in Ihrer täglichen Arbeit mit Kunden?
Michael Sörgel: Das bedeutet konkret mehr Kommunikation, Geduld und noch mal Kommunikation, um für und mit den Kunden seinen Weg zu finden. Der einfache Weg wäre, Produkt 1, 2 und 3 zu verkaufen, Rechnung stellen – fertig.
Produkte sind wichtig und richtig, aber ohne diese miteinander ausgewogen zu implementieren und mit Expertise zu versehen, entfalten diese nur einen Teil ihrer Wirkung.
Silicon Valley Europe: In der IT-Sicherheit sprechen Sie oft von „Business Karma“. Können Sie uns erklären, was Sie damit meinen und welche Rolle dieser Gedanke im Unternehmensumfeld spielt?
Michael Sörgel: Business Karma, der kategorische Imperativ – ich wünsche und ehrlich gesagt verlange ich sogar, ein Miteinander auf Augenhöhe mit Respekt und Vertrauen. Das biete ich meinen Kunden und erwarte das auch von ihnen. Natürlich bin ich und wir ein Dienstleister und „dienen“, aber eben auf einer guten Ebene.
Silicon Valley Europe: Ihre Kunden sind überwiegend mittelständische Unternehmen aus der Region. Welche speziellen Herausforderungen haben diese im Bereich IT-Sicherheit – und wie unterscheiden sie sich von großen Konzernen?
Michael Sörgel: In meinen frühen Berufsjahren war ich als Freiberufler bei einem großen Unternehmen, das war ohne Zweifel toll und lehrreich. Hat mir aber auch gezeigt wie spezialisiert die einzelnen Abteilungen sind. Ein Mittelständler braucht intern Mitarbeiter und extern Dienstleister, die das Bild größer sehen, Abhängigkeiten und Möglichkeiten erkennen und an die Geschäftsleitung kommunizieren.
Die große Herausforderung im Bereich IT-Sicherheit bei Mittelständlern ist, dass diese sehr viel stärker im Fokus von Attacken stehen als man vermutet und sie aber nicht alles mit eigenen Ressourcen abdecken können. Auch Themen wie DSGVO, NIS2, AI Act – stellt Mittelständler vor Herausforderungen, da in der Regel keine Abteilung oder Personal verfügbar ist, die das kontinuierlich abarbeiten kann.
Silicon Valley Europe: Neben der technischen Umsetzung bieten Sie auch Beratung und Coaching an, um den Sicherheitsreifegrad von Unternehmen zu erhöhen. Auf welche typischen Schwachstellen stoßen Sie dabei immer wieder?
Michael Sörgel: Ich gehe in der Regel so vor, dass ich mir das Unternehmen von außen „ansehe“. Sind Nachlässigkeiten erkennbar – spreche ich die Unternehmen direkt an und meistens findet man dann intern ein ähnliches Bild. Simples Beispiel, das Unternehmen hat keine oder zu schwache Einträge bei DMARC und SPF – gibt mir dadurch mehr Informationen als nötig und erleichtert Angreifern ein erfolgreiches Phishing.
Intern finde ich fast immer nicht geänderte Standardkonfigurationen z.B. in der Active Directory, keine oder unzureichende Segmentierung des Netzes, keine wirklich vertrauenswürdige Backupstrategie, Schatten IT und die Geschäftsleitung sieht sich außerhalb der IT-Sicherheitsrichtlinie.
Silicon Valley Europe: Sie selbst haben eine ungewöhnliche Laufbahn hinter sich – vom Zweiradmechaniker über den Fachinformatiker bis hin zum Gründer und CEO. Wie prägt diese Vielseitigkeit heute Ihre Arbeit und Ihren Blick auf Herausforderungen?
Michael Sörgel: Kann ich nur empfehlen! Meine Eltern hatten einen kleinen Handwerksbetrieb, das hat mir sehr früh gelehrt welche Verantwortung und Leistung Unternehmer erbringen müssen und auch das man für seine Wünsche und Ziele selbst und ständig etwas tun muss. Das war nicht immer einfach oder lustig, aber unglaublich wertvoll. Früh hatte ich meinen Papa in der Schreinerei geholfen und später in meiner Lehre zum Zweiradmechaniker gelernt, zu improvisieren, reparieren und nicht einfach ein neues Teil aus dem Lager zu holen.
Es hat mir immer sehr viel Spaß und Befriedigungen gegeben, wenn ich meine Aufgaben gut erledigen konnte „Biss“ die Lösung gefunden ist.
Silicon Valley Europe: Viele Geschäftsführer haben, wie Sie sagen, wenig Bewusstsein für ihre eigene Angreifbarkeit. Was würden Sie diesen Chefs als wichtigste Botschaft mitgeben?
Michael Sörgel: Meine Botschaft ist: Liebe Geschäftsführer, ihr seid der Kapitän und Anker eures Unternehmens – seid auch der Schiffsjunge in eurer Mannschaft, mit all seinen Rechten und Pflichten.
Bei uns ist es so geregelt, rechtetechnisch bin ich als CEO gleichgestellt mit den Auszubildenen, ich kann zwar andere Daten sehen und bearbeiten, aber mein Nutzerkonto ist exakt gleich eingeschränkt wie alle anderen.
Silicon Valley Europe: IT-Sicherheit ist für Sie eine Herzensangelegenheit. Was treibt Sie persönlich an, immer wieder die „Extra-Meile“ für Ihre Kunden zu gehen?
Michael Sörgel: Persönliche Prägung, mein Papa hat mir im Alter von 12 Jahren mal gesagt: Michael mach das – aber dann musst du dran bleiben…
Ich bin wissbegierig, möchte Dinge verstehen und interessiere mich für unterschiedliche Themen, die nicht mit der IT-Welt zu tun haben.
Achtung, noch ein Spruch der mich begleitet hat, von meiner verstorbenen Oma: „Stiehl dir was und lass jedem das seine…“
Silicon Valley Europe: Dann hoffen wir sehr das ihr Engagement auch Früchte trägt und sich gerade mittelständische Unternehmen mehr und mehr für das Thema IT-Sicherheit interessieren. Danke für Ihren Beitrag und ihr Engagement.
Michael Sörgel: Wie ich oben schon sagte, es macht mir Spaß, mehr als nur das Notwendige zu tun und ein gutes Ergebnis erfüllt mich mit Freude.