Silicon Valley Europe

Im Gespräch mit Lucas Dinhof, CEO von P.A.S.S. mit Sitz in Österreich

Im Gespräch mit Lucas Dinhof, CEO von P.A.S.S. mit Sitz in Österreich

Im Interview mit Lucas Dinhof, dem Gründer und CEO von P.A.S.S. – dem Power  Analysis Detection System – richtet sich der Blick auf eine der spannendsten Entwicklungen  im Bereich Ethical AI, Sicherheitskultur und Organisationskultur. P.A.S.S. ist eine auf  künstlicher Intelligenz basierende Plattform, die genau dort ansetzt, wo viele Unternehmen  ihre größten inneren Herausforderungen haben: beim Erkennen und Vorbeugen von  Machtmissbrauch, Manipulation und unethischen Verhaltensmustern in Teams und  Führungsetagen. 

Die Technologie hinter P.A.S.S. nutzt modernste Machine-Learning-Modelle und natürliche  Sprachverarbeitung, um Kommunikationen, Entscheidungsprozesse und  Verhaltensmuster in Echtzeit auszuwerten – und so subtile Ausdrucksformen von  Machtmissbrauch frühzeitig zu erkennen. Sie analysiert über 100 bekannte psychologische  Machtstrategien und bietet Entscheidungsträgern nicht nur Daten, sondern umsetzbare  Einsichten für eine gerechtere, transparentere und vertrauensvollere Arbeitskultur. 

Warum ist das wichtig? In einer Zeit, in der Führungsethik und Unternehmenskultur immer  stärker in den Fokus rücken, könnte ein KI-gestütztes Frühwarnsystem zur Prävention  toxischer Dynamiken ein Gamechanger für HR-Strategien, Compliance-Management und  Corporate Governance werden. P.A.S.S. will nicht nur Probleme aufdecken, sondern  Organisationen dabei helfen, Integrität, Vertrauen und Fairness strukturell zu stärken. 

In unserem Interview sprechen wir mit Lucas Dinhof darüber, wie diese KI-Lösung  entstanden ist, wie sie ethische Herausforderungen im Arbeitsalltag adressiert und welche  Visionen er für die Zukunft von KI-gestützter Führungsethik hat. Zudem interessiert uns,  welche realen Erfahrungen Kunden bereits mit dem System gemacht haben und wie  Unternehmen konkret davon profitieren. 

Silicon Valley Europe: Herr Dinhof, können Sie uns zu Beginn kurz erzählen, wie die Idee  zu P.A.S.S. entstanden ist und welche Probleme Sie damit lösen möchten? 

Lucas Dinhof: 

Die Idee zu P.A.S.S. ist aus meiner langjährigen Tätigkeit als Sicherheits- und KI-Experte  sowie aus weiterführenden Studien entstanden, bei der ich mich intensiv mit  Zukunftsforschung, Risikomanagement, internationalen Technologietrends und  gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftige. Ein zentrales Thema dabei ist für mich die  technologische Souveränität Europas sowie die Frage, wie wir künstliche Intelligenz  verantwortungsvoll und ethisch einsetzen können. KI-Ethik ist ein noch junges, aber extrem  wichtiges Zukunftsfeld mit enormem Potenzial. P.A.S.S. soll genau hier ansetzen: Es soll  helfen, Machtmissbrauch, unethische Strukturen und manipulative Verhaltensmuster  frühzeitig zu erkennen und Organisationen dabei unterstützen, gesündere und fairere  Systeme zu etablieren. Nach Hegel ist Macht ein Mechanismus der Durchsetzung. Wenn  jedoch andere Menschen dadurch psychischen Schaden erleiden, spricht man nicht mehr  von Einfluss, sondern von sittenwidrigem, destruktivem Machtmissbrauch. 

Die europäischen Verfassungen garantieren zwar die Meinungsfreiheit, setzen ihr aber auch Grenzen. Beispiele für solche Einschränkungen sind Diskriminierung und Beleidigung. Machtmissbrauch kommt auf allen Ebenen vor und er ist umso verheerender, je 

diktatorischer die Strukturen sind. Immer wieder gelingt es Menschen ohne jegliche  Kompetenz, an die Spitze zu gelangen, nicht selten, weil sie gezielt Desinformation  verbreiten und durch destruktive Manipulationen etwa in Form von Kriegspropaganda – ihre  Ziele durchsetzen. 

Silicon Valley Europe: P.A.S.S. nutzt KI, um Machtmissbrauch und unethische  Verhaltensmuster zu erkennen. Können Sie erklären, wie die Technologie genau funktioniert und welche Daten dabei analysiert werden? 

Lucas Dinhof: 

Man kann sich P.A.S.S. in seiner Interaktion ähnlich wie einen Chatbot vorstellen, technisch  handelt es sich jedoch um eine vollständig eigenentwickelte Software – ohne Nutzung von  OpenAI-APIs oder externen Modellen. Das System basiert auf eigenen Trainingsdaten,  eigenen Algorithmen und einer eigens entwickelten Architektur. Vereinfacht gesagt  kombinieren wir Large Language Models, Deep Learning und speziell definierte Parameter und Hyperparameter-Strukturen. Ziel ist es, komplexe Kommunikationsmuster, Texte,  Prozesse und Strukturen zu analysieren und daraus Hinweise auf problematische  Dynamiken, Manipulation oder Machtmissbrauch abzuleiten. 

Silicon Valley Europe: Welche psychologischen Machtstrategien erkennt P.A.S.S. und wie  hilft das Unternehmen, diese frühzeitig zu verhindern? 

Lucas Dinhof: 

Aktuell kann die Software mehrere hundert unterschiedliche Macht- und  Manipulationsstrategien erkennen – von eher subtilen und oft unterschwelligen Formen der  Beeinflussung bis hin zu bekannten Taktiken wie „Teile und herrsche“ oder Gaslighting.  Menschen und Organisationen sind in komplexen Systemen häufig anfällig für solche  Mechanismen, oft ohne es bewusst zu merken. P.A.S.S. soll hier unterstützend wirken,  indem es Muster sichtbar macht, Bewusstsein schafft und so hilft, problematische  Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. 

Silicon Valley Europe: Wie reagieren Mitarbeiter und Führungskräfte auf die Einführung  eines KI-Systems, das interne Verhaltensmuster überwacht? 

Lucas Dinhof: 

Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Manche sind begeistert, dass es eine so  fortschrittliche Technologie gibt, die zu mehr Fairness und Transparenz beitragen kann.  Andere wiederum verstehen das System zunächst falsch oder begegnen ihm mit Skepsis  und teilweise auch mit Angst. Das zeigt, wie wichtig Aufklärung, Kommunikation und ein  klarer ethischer Rahmen bei der Einführung solcher Systeme sind. Ich denke, dass vieles im Unterbewusstsein verankert ist, jedoch nicht an die Ebene des Bewusstseins gelangt. 

Silicon Valley Europe: Wem wird ein solcher „Verstoß bzw. Machtmissbrauch“ eigentlich gemeldet? Dem Vorgesetzten oder direkt der Person, die ihn begangen hat?

Lucas Dinhof:
Die Entscheidung hierzu liegt bei der jeweiligen Person – diese Verantwortung können und möchten wir nicht übernehmen. Unsere Software dient der Bildung, Aufklärung und Stärkung des Bewusstseins, die finale Entscheidung obliegt jedoch stets dem Menschen.

Silicon Valley Europe: Können Sie konkrete Beispiele nennen, in denen P.A.S.S.  Organisationen bereits geholfen hat, Konflikte oder Machtmissbrauch zu verhindern? 

Lucas Dinhof: 

Grundsätzlich verstehen wir P.A.S.S. als bildungs- und präventionsorientiertes System oder  vielleicht auch organisatorisches Sicherheitsunterstützungssystem. Es soll Organisationen  dabei helfen, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass Strukturen, die auf Macht basieren,  immer auch an Arbeitsethik, Leistung, Fairness und rechtsstaatlichen Prinzipien gemessen  werden müssen. In diesem Sinne kann man sagen, dass sich die Software klar für  demokratische Werte, Verfassungen und transparente Systeme positioniert – und sich damit auch gegen autoritäre oder diktatorische Strukturen richtet. Ziel ist es, frühzeitig Risiken  sichtbar zu machen und Konflikten vorzubeugen, bevor sie eskalieren.


Silicon Valley Europe: Wie stellen Sie sicher, dass P.A.S.S. selbst ethisch handelt und  keine Datenschutz- oder Bias-Probleme entstehen? 

Lucas Dinhof: 

Wir verwenden ausschließlich wissenschaftlich fundierte Trainingsdaten und legen großen  Wert darauf, sowohl menschliche als auch maschinelle Bias so weit wie möglich zu  reduzieren. Die Modelle und Strukturen werden bewusst möglichst objektiv und transparent  aufgebaut. Ethik, Datenschutz und Fairness sind keine Nebenthemen, sondern zentrale  Designprinzipien der gesamten Softwarearchitektur. 

Silicon Valley Europe: In welchen Branchen sehen Sie das größte Potenzial für P.A.S.S.,  und welche Herausforderungen gibt es bei der Umsetzung? 

Lucas Dinhof: 

Prinzipiell sehen wir hier kaum Brancheneinschränkungen. Denkbar ist der Einsatz in  Unternehmen, in staatlichen Institutionen, an Universitäten und Hochschulen ebenso wie in  der Gesamtwirtschaft. Überall dort, wo Menschen in komplexen Strukturen  zusammenarbeiten, können Macht- und Konfliktdynamiken entstehen – und genau dort kann P.A.S.S. einen Mehrwert bieten. Die größte Herausforderung liegt oft weniger in der Technik als in der Akzeptanz und der richtigen Integration in bestehende Strukturen. 

Silicon Valley Europe: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz Ihrer Meinung nach  künftig bei Führungsethik und Unternehmensführung? 

Lucas Dinhof: 

Künstliche Intelligenz wird in den kommenden Jahren immer stärker als Entscheidungs- und  Verhaltensunterstützung eingesetzt werden. Sie kann Führungskräfte dabei helfen,  komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen und reflektiertere Entscheidungen zu  treffen. P.A.S.S. verstehen wir in diesem Zusammenhang als eine Art Transformator im  Zeitalter der Industrie 5.0, in dem Technologie, Mensch und Ethik stärker zusammengeführt  werden sollen. 

Silicon Valley Europe: Was sind Ihre Visionen für die Weiterentwicklung von P.A.S.S. und  welche neuen Funktionen können wir in der Zukunft erwarten? 

Lucas Dinhof: 

Einerseits wollen wir die Trainingsdaten kontinuierlich erweitern und qualitativ verbessern.  Andererseits planen wir, zusätzlich eine rein business- und managementorientierte Version  der Software anzubieten, die Managemententscheidungen auch mathematisch und  analytisch unterstützt. Hier sehen wir ein enormes Potenzial für Effizienzsteigerungen,  Kosteneinsparungen und strategisch bessere Investitionsentscheidungen. 

Silicon Valley Europe: Abschließend: Welchen Rat würden Sie Unternehmen geben, die KI nutzen möchten, um eine gesunde und transparente Unternehmenskultur zu fördern? 

Lucas Dinhof: 

Aus volkswirtschaftlicher und demokratischer Sicht ist es immer sinnvoll, solche Systeme  zumindest im Blick zu behalten und das Bewusstsein für Machtstrukturen, Ethik und  Fairness aktiv zu stärken. KI kann hier ein wichtiges Werkzeug sein – vorausgesetzt, sie  wird verantwortungsvoll, transparent und im Sinne der Menschen eingesetzt. 


                       Silicon Valley Europe: Vielen lieben Dank für Ihre Zeit und den tiefen Einblick in Ihre Arbeit und Ihr
                        Erfolgsprojekt.