Im Interview mit Dr. Josef Schindler, Co-Founder & CEO

In einer Zeit, in der Effizienz und Digitalisierung über die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen entscheiden, rückt ein Bereich zunehmend in den Fokus: die Finanzadministration. Was bislang oft als notwendiges Übel galt, wird durch innovative Technologien neu gedacht – schnell, automatisiert und strategisch wertvoll.
Daher führen wir in unserer Interviewreihe bei Silicon Valley Europe ein spannendes Gespräch mit Dr. Josef Schindler, Managing Director und Mitgründer der Frienton GmbH – einem Start-up, das mit seiner Plattform die Finanzadministration kleiner und mittlerer Unternehmen revolutioniert.
Dr. Schindler ist ein erfahrener Serienunternehmer, der in den letzten Jahren mehrere High-Tech-Start-ups erfolgreich aufgebaut und geführt hat. Mit seinem Hintergrund als Diplom-Informatiker und seiner langjährigen Tätigkeit in strategischen Wachstums- und Transformationsprojekten – unter anderem bei Siemens Industry – bringt er ein tiefes Verständnis für skalierbare Softwarelösungen, KI-gestützte Geschäftsmodelle und die Herausforderungen wachsender Organisationen mit. Seine Führungsphilosophie basiert auf Coaching, Empowerment und Vertrauen – Prinzipien, die gerade in schnell wachsenden Unternehmen und dynamischen Märkten den Unterschied machen.
Mit Frienton verfolgt er eine klare Mission: Unternehmer:innen sollen sich auf das konzentrieren können, was sie am besten können – ihr Kerngeschäft. Die auf SaaS basierende Plattform von Frienton versteht sich als Finanzbetriebssystem für KMUs. Sie vereint sämtliche Prozesse der „Money Chain“ – von Multibanking über Buchhaltung, Planung & Controlling bis hin zur Steuer – auf einer einzigen, benutzerfreundlichen Plattform.
Dabei setzt Frienton auf modernste Technologien wie Open-Banking-Protokolle, Workflow-Automatisierung, Cloud-Infrastruktur und maschinelles Lernen. Das Ziel: eine vollständig automatisierte Buchhaltung, tägliche Finanzreportings in Echtzeit und eine vollständig integrierte Zusammenarbeit mit der Steuerkanzlei. Unternehmer erhalten dadurch nicht nur mehr Kontrolle über ihre Finanzen, sondern vor allem mehr Zeit, um sich auf Kunden, Wachstum und Innovation zu fokussieren.
Im Interview sprechen wir mit Dr. Schindler darüber, wie Frienton die klassische Finanzadministration disruptiv neu denkt, warum Entscheidungsgeschwindigkeit heute ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen ist, welches enorme Einsparungspotenzial in automatisierten Buchhaltungsprozessen steckt und warum Steuerberatungen der Zukunft Tech-Unternehmen sein werden.
Darüber hinaus gibt Dr. Schindler spannende Einblicke in seinen unternehmerischen Werdegang, seine Learnings als Interim-CEO und Seriengründer sowie seine Vision für die Zukunft digitaler Finanzprozesse im Mittelstand.
Das Gespräch richtet sich an Unternehmer:innen, CFOs, Steuerberater:innen, Digitalstrateg:innen sowie Investor:innen und Innovationsbegeisterte, die erfahren möchten, wie sich ein bislang oft stiefmütterlich behandelter Unternehmensbereich mithilfe intelligenter Technologie völlig neu denken lässt.
Silicon Valley Europe: Herr Dr. Schindler, Sie sind Serienunternehmer, Tech-Experte und haben Frienton mit dem Ziel gegründet, die Finanzprozesse von KMUs zu automatisieren. Was war der entscheidende Auslöser für die Gründung von Frienton?
Josef Schindler: Unsere Reise begann im Jahr 2020, als wir Co-Founder einmal mehr schmerzlich feststellen mussten, dass trotz einer Vielzahl an Angeboten für einzelne Abschnitte der Money Chain weiterhin keine vollintegrierte Lösung verfügbar ist, die uns & unsere jeweiligen Unternehmen wirkungsvoll und vor allem end-to-end in Sachen Finanzen & Administration unterstützt. Der entscheidende Auslöser war die Beobachtung, dass viele KMUs einen erheblichen Teil ihrer Zeit und Ressourcen auf manuelle Finanzprozesse verwenden – Prozesse, die längst digitalisiert und automatisiert sein könnten.
Daher beschlossen wir, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und eine Softwarelösung zu entwickeln, die möglichst all unseren Ansprüchen gerecht wird. Wir wollten ein System entwickeln, das Unternehmern wieder den Freiraum gibt, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Frienton entstand aus dem Wunsch, ein skalierbares Financial Operating System zu schaffen, das die gesamte Money Chain abbildet und echten Mehrwert stiftet.
Silicon Valley Europe: Viele Unternehmen empfinden Buchhaltung, Reporting und Steuerfragen als Belastung. Wie genau nimmt Frienton Unternehmern diese Last ab?
Josef Schindler: Frienton automatisiert alle zentralen Schritte der Finanzadministration: Multibanking, Buchhaltung, Planung, Controlling und den Austausch mit der Steuerkanzlei. Durch Echtzeit-Reportings und vollständig vorgebuchte Abschlüsse entfallen viele manuelle Tätigkeiten und Rückfragen. Die Plattform schafft so Live-Transparenz für bessere Entscheidungen und spart bis zu 2/3 des administrativen Aufwands und Kosten pro Jahr.
Silicon Valley Europe: Sie sprechen von einem „Finanzbetriebssystem“ für KMUs. Was dürfen wir uns konkret darunter vorstellen?
Josef Schindler: Ein Finanzbetriebssystem ist eine Plattform, die alle Finanzprozesse eines Unternehmens integriert. Bei Frienton bedeutet das: eine zentrale Lösung für Banking, Buchhaltung, Planung, Controlling und Steuer, die auf modernsten Technologien basiert – Open Banking, Workflow-Automatisierung, Machine Learning. Alles arbeitet nahtlos zusammen, ohne Systembrüche.
Silicon Valley Europe: Frienton deckt die gesamte „Money Chain“ ab – von Multibanking bis zur Steuerkanzlei. Wie gelingt Ihnen diese durchgängige Integration technisch und prozessual?
Josef Schindler: Unsere Plattform basiert auf API-First-Architektur, Open-Banking-Protokollen und einer modernen Cloud-Infrastruktur. So stellen wir sicher, dass alle Daten in Echtzeit verfügbar sind und nahtlos fließen – von Multibanking bis zur Steuerkanzlei. Ein konkretes Beispiel: Frienton ist aktuell die einzige Lösung am Markt, die eine vollständig integrierte Verbindung von Stripe-Daten bis in die DATEV-Welt bietet – inkl. Live-Reporting und separater Verbuchung der tlw. versteckten Gebühren und ohne manuelle Zwischenschritte. Damit können Online-Zahlungen und Buchhaltung nahtlos zusammenarbeiten.
Silicon Valley Europe: Ein zentrales Versprechen von Frienton ist die Entscheidungsgeschwindigkeit. Warum ist dieser Faktor für den Erfolg von KMUs so entscheidend?
Josef Schindler: In dynamischen Märkten wird die Geschwindigkeit, mit der ein Unternehmen reagiert, zum entscheidenden Erfolgsfaktor und Wettbewerbsvorteil. Echtzeitdaten und automatisierte Analysen ermöglichen es unseren Nutzern, fundierte Entscheidungen zu treffen – ohne Verzögerung durch manuelle Prozesse.
Silicon Valley Europe: Wie viel Automatisierung ist heute im Bereich Buchhaltung und Finanzverwaltung tatsächlich schon möglich – und wie hoch ist das Einsparungspotenzial?
Josef Schindler: KMUs in Deutschland investieren durchschnittlich über 110 Tage pro Jahr in Finanzadministration – mit zusätzlichen Kosten von mehr als 60.000 €. Mit Frienton lässt sich ein Großteil dieses Aufwands einsparen, da Buchungen automatisiert, Belege sofort verarbeitet und Abschlüsse vorgebucht werden.
Silicon Valley Europe: Sie sagen, dass Steuerberatungen sich zu Tech-Unternehmen entwickeln müssen. Welche Rolle spielt Frienton dabei und wie reagieren Steuerkanzleien auf Ihre Lösung?
Josef Schindler: Die Vielfalt an Daten-Schnittstellen z.B. zu Marktplätzen wie Shopify oder Amazon, aber auch zu Zahlungsanbietern wie Paypal und Kreditkarten wie American Express überfordern viele Kanzleien heute. Das ist eben Technologie und nicht Steuerberatung – beides muss verschmelzen und Frienton bietet das „all-in-one“ an. Frienton entlastet zudem Steuerkanzleien von manuellen Abstimmungen und Rückfragen – also ganz zentral in der Kommunikation zwischen Mandanten und der Kanzlei. Sie erhalten Zugriff auf vorgebuchte Abschlüsse und alle relevanten Unterlagen, können Rückfragen direkt im System klären und sich dadurch stärker auf die Beratung konzentrieren.
Silicon Valley Europe: Sie bringen langjährige Erfahrung aus Wachstums- und Transformationsprogrammen sowie der Skalierung von SaaS-Unternehmen mit. Welche Learnings haben Sie daraus in Frienton eingebracht?
Josef Schindler: Wir haben aus unseren bisherigen Projekten und Unternehmen vor allem gelernt, dass Skalierung nur gelingt, wenn Prozesse von Anfang an robust, automatisiert und kundenorientiert aufgesetzt sind. Dieses Prinzip prägt Frienton in allen Bereichen: vom modularen Aufbau der Plattform über die API-First-Strategie bis hin zur konsequenten Automatisierung der Buchhaltungs- und Finanzprozesse. Ein weiteres zentrales Learning war: Einfachheit schlägt oft umfassende Funktionalität – Funktionen müssen den Anwender in den Mittelpunkt stellen und dieser ist bei Frienton eben häufig kein Finanzexperte sondern ein Unternehmer, der am liebsten per Knopfdruck alles erledigt haben möchte.
Silicon Valley Europe: Frienton ist „von Unternehmern für Unternehmer“ gedacht. Wie haben Ihre eigenen unternehmerischen Erfahrungen das Produkt geprägt?
Josef Schindler: Als Gründerteam wissen wir aus eigener Erfahrung, wie belastend und zeitraubend Finanzadministration im Unternehmeralltag sein kann – besonders in Wachstumsphasen. Deshalb haben wir Frienton so konzipiert, dass es nicht nur eine Softwarelösung ist, sondern ein echter Entlaster: mit Fokus auf Benutzerfreundlichkeit, Zeitersparnis und nahtloser Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Steuerkanzlei. Unsere eigenen, auch leidvollen Erfahrungen haben uns dabei geholfen, den Blick für das Wesentliche zu schärfen – für das, was Unternehmer wirklich brauchen.
Silicon Valley Europe: Welche Technologien – etwa Machine Learning oder Open Banking – spielen bei Frienton die größte Rolle, um den hohen Automatisierungsgrad zu erreichen?
Josef Schindler: Wir setzen auf Open Banking, API-First-Architektur, Workflow-Automatisierung und maschinelles Lernen, um Belegverarbeitung, Buchungen und Reporting zu automatisieren.
Silicon Valley Europe: Wie sieht Ihre Vision für Frienton in den nächsten 3 bis 5 Jahren aus? Planen Sie eine europäische Expansion oder strategische Partnerschaften?
Josef Schindler: Wir wollen das führende Financial Operating System für KMUs in Europa werden. Dazu gehören der Ausbau strategischer Partnerschaften, die Erweiterung unserer Plattform um weitere Module und die kontinuierliche Verbesserung der Automatisierung.
Silicon Valley Europe: Was möchten Sie anderen Gründern mitgeben, die – wie Sie – eine Branche durch Technologie verändern möchten?
Josef Schindler: Ich finde es ratsam, nicht nur eine kleine App oder ein Tool zu entwickeln, das eine Nische bedient oder eine spezielle Aufgabe löst, um es dann möglichst schnell mit Venture Capital zu skalieren und an größere Systeme zu verkaufen. Wer wirklich eine Branche verändern will, braucht den Mut, größer und radikal neu zu denken. Es geht darum, verschiedene Technologien intelligent zu kombinieren und eine Lösung zu schaffen, die nicht nur inkrementell verbessert, sondern einen echten Quantensprung ermöglicht. Die Basis dafür ist immer der echte Kundennutzen: Nur wenn eine Lösung das Leben der Kunden spürbar einfacher, effizienter oder besser macht, hat sie die Chance, nachhaltig zu wirken.
Silicon Valley Europe: Haben Sie ganz recht herzlichen Dank für Ihre Zeit und die Einblicke in das sich verändernde Finanzsystem.