Silicon Valley Europe

Im Interview mit Marco Wehler, CEO von DextraData GRC Technologies

Im Interview mit Marco Wehler, CEO von DextraData GRC Technologies

In einer Zeit, in der Unternehmen sich zunehmend mit komplexen regulatorischen Anforderungen, der Integration von KI und der Notwendigkeit zu resilienter digitaler Transformation auseinandersetzen müssen, rückt ein Thema verstärkt in den strategischen Fokus: Governance, Risk und Compliance – kurz GRC. Was in vielen Organisationen noch immer als notwendiges Übel und rein regulatorisches Pflichtprogramm verstanden wird, begreift Marco Wehler, Geschäftsführer von DextraData GRC Technologies, als weit mehr: nämlich als essenziellen Hebel für nachhaltige Unternehmensführung, digitale Souveränität und vertrauenswürdige Strukturen im Zeitalter künstlicher Intelligenz.

Im Interview mit Silicon Valley Europe erklärt Marco Wehler, warum GRC nicht als isolierte Disziplin verstanden werden darf, sondern als dynamisches Querschnittsthema zwischen Geschäftsführung, IT, Recht und operativen Fachbereichen gedacht werden muss. Als Wirtschaftswissenschaftler mit fundierter Beratungsexpertise, früherer Unternehmensgründer und ehemaliger CPO bei DextraData verbindet er technologische Weitsicht mit betriebswirtschaftlicher Tiefe. Seine zentrale Botschaft: GRC gehört nicht in eine reine Compliance-Schublade – sondern ins Zentrum strategischer Unternehmensentwicklung.

DextraData GRC Technologies mit Sitz in Essen ist ein spezialisierter Anbieter für moderne, softwaregestützte GRC-Lösungen. Als Teil der DextraData Gruppe verfolgt das Unternehmen einen klaren Anspruch: GRC nicht nur zu digitalisieren, sondern weiterzudenken – KPI / Kennzahlen getrieben, KI automatisiert... mit dem Ziel, regulatorische Anforderungen mit unternehmerisch kalkulierbaren Nutzen innovativ zu verbinden. zu verbinden. GRC wird hier nicht als Pflicht verstanden, sondern als aktiver Treiber für Effizienz, Vertrauen und Zukunftsfähigkeit. Im Interview mit Marco Wehler sprechen wir über „Beyond Compliance“ - GRC als aktive Ressource der Unternehmensstrategie, die Rolle von GRC für Vertrauen, Effizienz und Resilienz – besonders im Kontext von KI und Automatisierung und klären die Frage, warum Technologie allein keine Governance schafft – und wieso Leadership und Unternehmenskultur entscheidend sind. 


Silicon Valley Europe: Viele Unternehmen betrachten GRC noch immer als notwendiges Übel. Was braucht es, damit GRC als strategischer Erfolgsfaktor verstanden wird?

Marco Wehler: Ein reines „Haken setzen und abhaken“ greift im GRC-Kontext zu kurz. Wer nur reagiert, bleibt immer hinterher. Strategisch wird es, wenn die Geschäftsführung erkennt: GRC ist kein Bremsklotz, sondern ein Navigationssystem. Es zeigt, wo Risiken lauern – und wo Chancen liegen. Das ist der Unterschied zwischen verwalten und gestalten. Es ist also notwendig, GRC von Anfang an strategisch zu denken. 

Silicon Valley Europe: GRC ist im Kontext mit der aktuellen superschnellen KI-Entwicklung sicher noch einmal gesondert zu betrachten. Wie kann GRC helfen, Vertrauen zu sichern,  wie geht das?

Marco Wehler: KI darf keine Black Box sein. McKinsey stellte in ihrer AI-Trust-Studie (Mai 2025) fest, dass Explainability, Fairness, Datenschutz und Governance die entscheidenden Elemente sind, damit KI wirksam und vertrauenswürdig eingesetzt wird – ohne geht es nicht. 

Die jüngste McKinsey-Studie („State of AI“, März 2025) zeigt deutlich: Wenn die Konzernspitze aktiv KI-Governance übernimmt, ist das der Faktor mit dem stärksten Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg durch KI – stärker als etwa technische Maßnahmen oder Pilotprojekte allein ( Link zur Studie ) Strategisch wird GRC erst, wenn es nicht übertölpelt, sondern von Führung maßgeschneidert integriert wird.

GRC liefert genau dafür das Rahmenwerk: wer bestimmte Entscheidungen trifft, wie Systeme trainiert wurden und wer für welche Entscheidung Verantwortung trägt – das schafft Sicherheit bis hinein zu Auditierbarkeit.

Silicon Valley Europe: Was bedeutet „Beyond Compliance“ konkret für Sie – und wie wirkt sich dieser Ansatz auf die Unternehmenspraxis aus?

Marco Wehler: Beyond Compliance heißt: Wir hören auf, nur die Mindestanforderungen zu erfüllen, und bauen Strukturen, die auch in drei Jahren noch tragen – egal, was kommt. Das ist kein Luxus, sondern eine Überlebensstrategie. Wer nur das Nötigste tut, läuft den Entwicklungen immer hinterher.

Silicon Valley Europe: Warum ist es aus Ihrer Sicht entscheidend, GRC nicht isoliert, sondern als Querschnittsthema über IT, Legal, Fachbereiche und Geschäftsleitung hinweg zu denken?

Marco Wehler: Weil Probleme nie in einer Schublade bleiben. Ein IT-Vorfall hat juristische, operative und oft auch kommunikative Folgen. Ein Compliance-Fehler kann aus einem schlecht dokumentierten Prozess entstehen. Wenn Abteilungen nicht miteinander sprechen, entstehen gefährliche Blindstellen. GRC muss alle Perspektiven verknüpfen – sonst ist es nur Flickwerk.

Zudem stehen insbesondere Geschäftsleitungen in der Verantwortung: Sie haften nicht nur moralisch, sondern auch rechtlich für Versäumnisse in Governance, Risk und Compliance. Wer GRC als reine Fachabteilung abtut, verkennt diese persönliche Verantwortung – und riskiert gravierende Folgen für das Unternehmen wie für sich selbst.

Silicon Valley Europe: In einer zunehmend KI-gesteuerten Wirtschaft – welche Anforderungen stellen sich an GRC, um Vertrauen und Nachvollziehbarkeit zu sichern?

Marco Wehler: KI ist gekommen um zu bleiben und bietet fantastische Potenziale in jedem Unternehmen. GRC schafft genau an dieser Stelle Vertrauen und Sicherheit. Man hört häufig: KI darf keine Blackbox sein. Das ist zu pauschal. Wir haben viele Prozesse, die nicht geschäftskritisch sind. Hier ist die Nachvollziehbarkeit oftmals weniger bedeutend, als die bloße Beschleunigung durch KI. GRC hat die Aufgabe, die Prozesse nach klaren Anforderungen zu bewerten und darauf aufbauend zu kategorisieren. Werden geschäftskritische Daten verwendet und ist das Projektergebnis von essentieller Bedeutung für die Wertschöpfung oder gibt es besondere regulatorische Anforderung, dann haben die eingesetzten KI-Systeme besonders hohe Anforderungen an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit zu erfüllen. Gleichfalls gilt für anders kategorisierte Prozesse, dass wir hier die Zügel im Zuge der Risikoabwägung deutlich lockerer lassen können. Das passiert heute bereits tagtäglich in der unternehmerischen Praxis. KI zwingt uns nur dazu, dies zu systematisieren und zu institutionalisieren. Genau dafür ist GRC da: Effizienzsteigerungen durch Technologien zu ermöglichen und gleichzeitig kritische Prozesse entsprechend ihrer Bedeutung zu schützen.


Silicon Valley Europe: Was bedeutet technologische Souveränität für Sie – und wie kann GRC dazu beitragen, diese in europäischen Unternehmen zu stärken?


Marco Wehler: Es heißt, die Zügel selbst in der Hand zu halten. Wer seine Schlüsseltechnologien komplett outsourct, gibt nicht nur Kontrolle, sondern auch Unabhängigkeit auf. GRC hilft, diese Abhängigkeiten sichtbar zu machen – und rechtzeitig gegenzusteuern, bevor man in einer Sackgasse landet.

Silicon Valley Europe: Welche Rolle spielt der Standort Europa in Bezug auf GRC-Innovation und regulatorische Unabhängigkeit?

Marco Wehler: Die westliche Tech-Welt ist US-amerikanisch geprägt. Daran gibt es keinen Zweifel. Es fehlt in dieser Welt an GRC Innovationen, denn die Business Models der Tech-Giganten basieren auf der uneingeschränkten Sammlung und Nutzung von fremden Daten. Europa hat die Chance, hier einen Gegenpol zu setzen und für die Welt, “die Schweiz der Datensouveränität und Sicherheit” zu werden. 

Die GRC-Philosophie in Europa ist viel ausgeprägter. Wir haben die GRC-Vordenker in der Welt. Gleichzeitig sind wir Kapital stark, innovativ und genießen in der Welt ein hohes Ansehen. Der europäische Standard hat das Potenzial zum Exportschlager zu werden und eine Heimat für alle diejenigen zu werden, die einen sicheren Platz für Ihre Daten suchen zu werden. Wenn wir das nutzen, schaffen wir echte Wettbewerbsvorteile mit GRC aus Europa heraus.

Silicon Valley Europe: Wie kann man Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Auditierbarkeit bei KI-Systemen sicherstellen – und welche Rolle spielt dabei ein moderner GRC-Ansatz?

Marco Wehler: Ohne dokumentierte Prozesse ist jede Vertrauensdiskussion Augenwischerei. Wir müssen wissen: Welche Daten wurden genutzt? Wie wurde das Modell trainiert? Wer hat Änderungen freigegeben? GRC liefert dafür den Rahmen. Wer das ignoriert, kann sich den nächsten Krisentermin schon mal im Kalender markieren.

Silicon Valley Europe: Warum reicht es nicht aus, einfach ein GRC-Tool einzuführen? Was fehlt in vielen Unternehmen noch?

Marco Wehler: Ein Tool macht noch keine Verantwortungskultur. Das ist wie ein Fitnessabo ohne Training – nett auf dem Papier, bringt aber nichts. Ohne klare Zuständigkeiten, Führung, die das Thema vorlebt, und Mitarbeiter, die GRC als Teil ihrer Arbeit sehen, bleibt jede Software ein Papiertiger.

Silicon Valley Europe: Wie verändert sich GRC, wenn es als kulturelle Haltung und nicht nur als Software verstanden wird?

Marco Wehler: Dann passiert GRC von selbst – weil jeder im Unternehmen automatisch Risiken und Compliance mitdenkt. Das macht schneller, vermeidet Reibungsverluste und reduziert Überraschungen. Das ist der Punkt, an dem es wirklich wirkt.

Silicon Valley Europe: Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren für eine gelebte GRC-Kultur in Unternehmen?

Marco Wehler: Führung, die vorangeht. Eine offene Risikokultur ohne Fingerzeig-Mentalität. Und Einfachheit – wenn GRC kompliziert und bürokratisch ist, macht es keiner. Punkt.

Silicon Valley Europe: Was unterscheidet DextraData GRC Technologies grundlegend von anderen Anbietern im Markt?

Marco Wehler: Wir liefern nicht nur Checklisten, sondern Entscheidungsgrundlagen. Wir sagen auch mal: „Das bringt nichts – lasst es weg.“ Wir sind Technologiepartner und Berater in einem. Ja, das macht uns manchmal unbequem – aber genau das bringt unsere Kunden weiter.

Silicon Valley Europe: Herr Wehler, lassen Sie uns noch mal einen Blick in die Zukunft werfen. Was ist Ihre Vision für GRC in fünf Jahren – und welche Rolle möchten Sie mit Ihrem Unternehmen dabei spielen?

Marco Wehler: GRC wird so selbstverständlich wie Buchhaltung – unsichtbar sichtbar, tief integriert, KI-unterstützt, jederzeit nachvollziehbar. Die Frage wird nicht mehr sein „Brauchen wir GRC?“, sondern nur noch: „Wie nutzen wir es, um besser zu sein als der Wettbewerb?“ Und wir wollen der Partner sein, der dafür sorgt, dass die Antwort sitzt.

Silicon Valley Europe: Das klingt unglaublich spannend. Haben Sie einen ganz herzlichen Dank für diesen tiefen Einblick in dieses Themengebiet.