Im Interview mit Marco Weigel, Geschäftsführer der Objektkultur Software GmbH

Digitalisierung ist für viele ein Technologieprojekt. Für Marco Weigel, Geschäftsführer der Objektkultur Software GmbH, beginnt sie jedoch beim Menschen. Genau diesen besonderen Blick hinter die Kulissen öffnen wir im kommenden Interview mit Silicon Valley Europe.
Objektkultur steht seit Jahren für die Digitalisierung und Optimierung von Customer-Operations-Prozessen im Microsoft-Umfeld – von CRM-Strategien bis zur Modernisierung komplexer Applikationslandschaften. Doch was das Unternehmen wirklich auszeichnet, ist seine Kultur: Vertrauen, Mut und eine echte “Hands-on-Mentalität”. Das Team liebt Herausforderungen.
Marco Weigels eigener Weg als Software-Engineer, über Software-Architekt, Projektleiter, später Business Unit Leiter, bevor er in den Vertrieb und die Vertriebsleitung gewechselt ist, prägt seine Haltung bis heute. Führung bedeutet für ihn, Menschen in ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. Verantwortung wird nicht von oben verordnet, sondern aktiv übergeben. Fehler gelten nicht als Schwäche, sondern als Wachstumsmotor.
Diese innere Haltung wirkt direkt nach außen. Kunden erleben Teams, die zuhören, mitdenken und auch unbequeme Fragen stellen. Statt Standardlösungen entstehen individuelle, praktikable Konzepte – getragen von offener Kommunikation, Selbstverantwortung und echtem Teamspirit. Agilität ist dabei keine Methode, sondern eine Einstellung: ausprobieren, verbessern, gemeinsam wachsen.
Auch strategisch entwickelt sich Objektkultur rasant weiter, etwa durch den neuen Zusammenschluss mit der Inway Systems GmbH, durch den aktuell eine neue Gruppe entsteht. Dadurch ergeben sich durchgängige Prozessabdeckungen – von Kundenzentrierten Prozessen (Customer Operations) bis zu wertschöpfenden Prozessen (Fertigung, Beschaffung, Ressourcenplanung – ERP + Finanzbuchhaltung), den value-centric Operations.
Im Interview sprechen wir darüber, warum Vertrauen Geschwindigkeit schafft, warum Kultur ein echter Wettbewerbsvorteil ist und weshalb Unternehmen ihre komplexesten Herausforderungen gerade deshalb Objektkultur anvertrauen.
Silicon Valley Europe:
Welche Rolle spielt für Sie die Unternehmenskultur der Objektkultur Software GmbH als strategischer Erfolgsfaktor – und warum beginnt Digitalisierung für Sie beim Menschen?
Marco Weigel:
Für mich ist Kultur der Startknopf jeder Transformation. Digitalisierung beginnt beim Menschen, weil Verhalten, Vertrauen und Zusammenarbeit darüber entscheiden, ob eine gute Idee überhaupt Wirkung entfalten darf. Wenn Teams auf Augenhöhe arbeiten, sich sicher fühlen, Fragen zu stellen und mutig Dinge auszuprobieren, entsteht Geschwindigkeit – ganz ohne Druck. Genau das prägt unseren Alltag: Fehler als Lernquelle, klare Verantwortung statt Mikromanagement und echtes Mentoring vom Trainee bis zum Senior. Für unsere Kunden heißt das: Wir hören zuerst zu, verstehen den echten Schmerzpunkt in Customer Operations und gestalten dann Lösungen, die in der Praxis im Arbeitsalltag tragen – nicht nur in der Theorie. So werden Veränderungen akzeptiert, schnell nutzbar und messbar wirksam.
Silicon Valley Europe: Sie haben den Weg vom Softwareentwickler in die Geschäftsführung durchlaufen. Welche Erfahrungen prägen heute Ihren Führungsstil am stärksten?
Marco Weigel:
Ich habe gelernt, dass Technik, Business (Fachlichkeit) und Menschen zusammengehören. Aus der Entwicklung bringe ich die Liebe zur Technik und zum klaren Problemverständnis mit; aus Business Development und Geschäftsführung die Fähigkeit, Kontext zu schaffen und Prioritäten zu setzen. Mein Führungsverständnis ist: wer sich selbstbewusst etwas zutraut, bekommt schnell Verantwortung und kann sich ausprobieren und dazulernen. Das funktioniert nur in Kombination mit einer Fehlerkultur und direktem Feedback. Gleichzeitig erwarte ich von jedem Eigenverantwortung und aktives Mitdenken. Mir ist wichtig, dass Menschen nicht nur Probleme schildern, sondern Vorschläge mitbringen, wie wir sie lösen können. Das schafft Klarheit, Geschwindigkeit und stärkt das Team. Ich fordere mein Team, neugierig zu bleiben, eigenständig zu denken und auch zu meinen Plänen kritisches Feedback zu geben. Diese Haltung sorgt dafür, dass wir beim Kunden keine Standardantworten liefern, sondern tragfähige, ehrliche Lösungen, die im Prozessalltag funktionieren.
Silicon Valley Europe: Sie sprechen häufig von Vertrauen, Mut und Fehlerkultur. Wie schaffen Sie konkret ein Arbeitsumfeld, in dem Mitarbeitende sich trauen, neue Ideen auszuprobieren?
Marco Weigel:
Bei Objektkultur ist Sicherheit nicht nur ein schönes Wort oder ein Wert auf einer Folie – sie wird jeden Tag bewusst gelebt. Wir arbeiten mit kleinen, risikobegrenzten Experimenten (Timeboxen, Feature-Toggles), blameless Retros und Show-and-Tell-Formaten, in denen auch Unfertiges Platz hat. Jeder bekommt Mentoring und echte Verantwortung – auch Praktikantinnen und Trainees gestalten mit. Fehler werden früh sichtbar gemacht, dokumentiert und in verbesserte Standards überführt. Das Ergebnis ist spürbar: mehr Initiative, mehr Tempo, mehr Qualität. Beim Kunden bedeutet das kürzere Feedbackschleifen, schnellere Entscheidungen und lösungsorientierte Zusammenarbeit statt Rechtfertigungsrunden. Nicht jedes Unternehmen hat intern die gleichen Voraussetzungen dafür. Viele wünschen sich genau diese Arbeitsweise – und wir helfen ihnen dabei, dorthin zu kommen.
Silicon Valley Europe:
Customer-Operations-Digitalisierung ist ein komplexes Feld. Was unterscheidet Objektkultur aus Ihrer Sicht von klassischen Technologie- oder Implementierungspartnern?
Marco Weigel:
Wir sind Mitdenker statt nur Umsetzer. Wir starten prozessnah – mit dem Tagesgeschäft von Vertrieb, Service, After-Sales – und liefern Schritt für Schritt nutzbare Ergebnisse, die sich sauber in bestehende Strukturen einfügen. Technologie verstehen wir als Mittel, nicht als Selbstzweck; entscheidend ist der messbare Nutzen im Prozess. Wir arbeiten in gemischten Teams mit unseren Kunden, bauen Kompetenz im Unternehmen auf und hinterlassen keine Blackbox. Durch unseren Verbund in der Gruppe mit der Inway Systems behalten wir die gesamte Wertschöpfung im Blick – von wertschöpfenden Prozessen bis Customer Experience – und können dort vertiefen, wo es wirklich zählt. Kurz: Co, Creation, Enablement, Verantwortung.
Silicon Valley Europe: Wie profitieren Kunden ganz konkret von der internen Kultur Ihres Unternehmens – und wie wirkt sich diese auf Projekte, Geschwindigkeit und Lösungsqualität aus?
Marco Weigel:
Unsere Kultur übersetzt sich direkt in Lieferfähigkeit. Weil wir offen kommunizieren und eigenverantwortlich handeln, treffen Teams schneller gute Entscheidungen – das reduziert Reibungsverluste und Übergabezeiten. Unsere fortlaufenden Review- und Verbesserungsprozesse sorgen für stabile Releases und planbare Qualität. Enablement heißt: Wir geben Wissen aktiv ab – dadurch werden Organisationen unabhängiger und können selbst weiterentwickeln. In der Praxis sehen Kunden kürzere Durchlaufzeiten, höhere Daten- und Prozessqualität und bessere Nutzerakzeptanz. Vor allem aber erleben sie Partnerschaft: jemanden, der zuhört, mitfühlt, mitdenkt – und Verantwortung mitträgt.
Silicon Valley Europe: Welche Rolle spielen Themen wie KI und moderne Plattformtechnologien in Ihrer zukünftigen Strategie, ohne dabei den menschlichen Faktor zu verlieren?
Marco Weigel:
Wir streben die Vollautomatisierung von Prozessen, über KI bei unseren Kunden an, und zwar genau da wo es sinnvoll ist und wo Datenqualität, Governance und Transparenz gegeben sind. Der Human in the loop bleibt bis das gegeben ist, unverzichtbar und kann bei Bedarf auch immer bestehen bleiben.
Die Menschen sollen da Arbeit machen, wo sie für uns unersetzbar sind. Das ist z.B. überall da, wo Menschen mit Menschen interagieren wollen.
Silicon Valley Europe: Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen und auch das Thema KI betrachten, wie wird sich die Zusammenarbeit zwischen Mensch, Organisation und Technologie in den nächsten drei Jahren verändern?
Marco Weigel:
Wir verändern gerade grundlegend, wie wir arbeiten. Aufgaben, die früher viel manuelle Energie gekostet haben, werden in Zukunft intuitiver, sprachgesteuerter und automatisierter ablaufen – wir werden im wahrsten Sinne des Wortes mit unseren Systemen sprechen. Eingabe- und Abfragemasken, wie wir sie kennen, werden an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Urteilsvermögen, Kreativität und Teamintelligenz: Die Arbeit verschiebt sich von „Information sammeln“ zu „das Richtige daraus machen“.
Dabei erleben wir oft, dass KI zunächst Verunsicherung auslöst – gerade bei Mitarbeitenden, die Sorge haben, ersetzt zu werden. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist deshalb, diese Angst zu nehmen und zu zeigen, dass KI kein Ersatz, sondern ein Helfer ist: ein Werkzeug, das entlastet, Arbeit verändert, Freiräume für echte Wertschöpfung schafft und nicht verdrängt.
Organisationen, die bereit sind zu lernen, schnell zu iterieren und offen miteinander umzugehen, werden enorm profitieren. In diesem Zusammenspiel aus Mensch, Organisation und Technologie liegt für mich die größte Chance: Wir gewinnen wieder mehr Zeit für das, was echte Wirkung erzeugt – für Klarheit, Entscheidungen und gute Zusammenarbeit.
Silicon Valley Europe: Das macht auf jeden Fall Mut und gleichzeitig bieten Ihre Antworten einen wunderbaren Einblick in die Agilität und die Denkweise Ihres Unternehmens. Vielen Dank.