- Warum CIP die Zeitbombe Schein-Selbständigkeit entschärft, bevor Schein-Lösungen Unternehmen ins finanzielle Desaster führen

Im Interview mit Gernot Labs.
Was tun, wenn Politik und Bürokratie versagen? Man entwickelt eine eigene Lösung.
Silicon Valley Europe hat das Privileg, ein exklusives Interview mit einem der profiliertesten Vordenker für Selbstständigkeit und Unternehmertum in Deutschland zu führen: Gernot Labs, Gründer und CEO der CIP Certified Independent Professional GmbH sowie Managing Partner der excim Management Consulting GmbH in München. Mit über 40 Jahren Berufserfahrung – davon mehr als 29 Jahre als selbstständiger Interim Manager und Unternehmensberater – kennt er die Herausforderungen der Selbstständigkeit in Deutschland wie kaum ein anderer. In einem exklusiven Interview mit Silicon Valley Europe spricht er offen über ein Thema, das Millionen betrifft, aber politisch seit Jahren ungelöst bleibt: die Scheinselbstständigkeit und ihre weitreichenden Folgen für unsere Volkswirtschaft.
Gernot Labs hat selbst erlebt, wie lähmend die Rechtsunsicherheit für Selbstständige und deren Auftraggeber ist. Diese Erfahrung – sowohl als Freelancer als auch als Auftraggeber in Konzernen und öffentlichen Einrichtungen – hat ihn dazu motiviert, gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Selbstständigen, Unternehmern, Juristen und Verbandsvertretern eine eigene Lösung zu schaffen. So entstand die CIP Certified Independent Professional GmbH – eine privatwirtschaftliche Initiative mit dem Ziel, Selbstständigen und ihren Auftraggebern eine möglichst sichere und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu ermöglichen. Die CIP-Zertifizierung klärt alle relevanten Fragen zur Scheinselbstständigkeit bereits vor der Beauftragung und während der Leistungserbringung stets aktuell – und schützt damit effektiv vor Nachzahlungen, Strafen und Compliance-Risiken. Sie funktioniert wie ein „digitaler TÜV für Selbstständige“ – ein pragmatischer Workaround in einer Zeit, in der gesetzgeberische Klarheit (Rechtssicherheit) weiterhin auf sich warten lässt.
CIP wurde jüngst vom Magazin FOCUS als INNOVATIONS-CHAMPION 2024 ausgezeichnet – unter über 25.500 nominierten Unternehmen. Diese Auszeichnung unterstreicht die Bedeutung der Initiative für den Wirtschaftsstandort Deutschland, denn die Folgen des Generalverdachts der Scheinselbstständigkeit sind gravierend: Der Rückgang der Selbstständigenzahlen von 4,3 auf 3,8 Millionen zeigt, wie sehr dieses Beschäftigungsmodell unter Druck geraten ist. Viele Aufträge werden nicht mehr vergeben, Know-how geht verloren, Innovationskraft wird gebremst – mit dramatischen Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit.
Im Interview mit Silicon Valley Europe erläutert Gernot Labs, warum CIP genau hier ansetzt. Er berichtet von der persönlichen Motivation hinter der Gründung, von seinem Weg durch Konzerne wie Ruhrgas, OSRAM/Siemens und Roland Berger hin zur Selbstständigkeit – und wie ihn die Untätigkeit der Politik dazu brachte, selbst aktiv zu werden. Er erklärt, wie die CIP-Zertifizierung Vertrauen schafft, Aufträge sichert und Selbstständige sowie Unternehmen aus der rechtlichen Grauzone holt.
Silicon Valley Europe: Herr Labs, Sie sind seit über 40 Jahren in der Wirtschaft aktiv – davon über 29 Jahre als selbstständiger Interim Manager. Wie hat sich Ihr Blick auf die Selbstständigkeit in Deutschland im Laufe dieser Zeit verändert?
Gernot Labs: Ich kann mich noch sehr gut an den Zeitpunkt erinnern, als ich 1996 zusammen mit einem Beraterkollegen eine gut bezahlte Position bei ROLAND BERGER gegen eine selbstständige Partnerschaft in einer Unternehmensberatung eingetauscht habe. Damals konnten wir unsere Leistungen frei am Markt anbieten und waren glücklich als das erste Beratungsprojekt mehrmals verlängert wurde. Es gab keine Marktzugangsbeschränkungen, weil unsere Auftraggeber Angst vor einer potenziellen Scheinselbstständigkeit hätten.
Aktuelle Meldungen berichten von einem 10-Jahres hoch bei Unternehmens-Insolvenzen und einem erschreckenden Einbruch bei der Zahl der Selbstständigen in Deutschland. Das hat verschiedene Ursachen. Mit CIP ist es uns jedoch gelungen, das Problem mit dem „Auftrags-Killer Nr. 1“ in Deutschland zu lösen.
Denn bei „Scheinselbstständigkeit“ geht es nicht „nur“ darum, Auftragnehmer und Auftraggeber vor (im Einzelfall fünfstelligen) Nachzahlungen und Strafen zu bewahren, sondern auch vor den - vielen nicht bekannten Auswirkungen - des gegen Selbstständige bestehenden Generalverdachts. Der führt nämlich dazu, dass viele der 3,8 Millionen Selbstständigen, Freelancer und Gründer weniger oder überhaupt nicht mehr beauftragt werden.
Auch viele Unternehmer unterschätzen die Risiken und sind völlig überrascht, wenn sie sich plötzlich vor Gericht verantworten müssen. Daher betrifft das Thema alle Selbstständigen, Freiberufler und Gründer – gerade die tatsächlich Selbstständigen – und alle Unternehmen, die direkt oder indirekt Externe längere Zeit beauftragen in allen Branchen und bei öffentlichen Auftraggebern… also allen.
Warum das „Cippen“ der Externen für die SVE-Mitglieder so interessant ist?
Auftraggeber von externen Dienstleistern profitieren von unseren Zertifizierungsleistungen kostenlos. Sie können sich wirksam vor oft unentdeckten Fallstricken der Scheinselbstständigkeit schützen, hohe Anwalts- und Gerichtskosten und enorme interne Kosten einsparen und endlich wieder bedenkenlos Externe beauftragen, ein komplexes Risikothema abhaken und dabei noch Geld sparen.
Silicon Valley Europe: Gab es einen konkreten Moment, an dem Ihnen klar wurde: „So kann es mit der Scheinselbstständigkeit nicht weitergehen – wir brauchen eine eigene Lösung“?
Gernot Labs: Ja - als ich Interviews mit Betroffenen führte, die durch Nachzahlungen in Existenznot gerieten. Das waren sehr emotionale Momente, wenn gestandenen Selbstständige – teilweise unter Tränen – schildern, wie sie unverschuldet in Existenznot geraten sind. Viele konnten nachts nicht mehr ruhig schlafen, weil sie nicht wussten, ob sie Rückforderungen von Sozialleistungen für sich oder ihre Externen zurückzahlen könnten. Diese Verfahren zogen sich teilweise über Jahre hin. Mir wurde klar, dass hier ein Fehler im System vorliegt, wenn staatliche Statusfeststellungsverfahren einen „Selbstständigen-Status“ individuell für jeden neuen Auftrag und dann meist erst während der Leistungserbringung feststellen. Damit schwebt über jeder neuen Beauftragung das Damoklesschwert der Scheinselbstständigkeit. Vor Gerichten fehlten den Beklagten meistens belastbare Nachweise, um ihre Unschuld beweisen zu können und nicht jeder Anwalt oder Richter ist auf dieses Thema spezialisiert.
Diesen suboptimalen Prozess, den sich Beamte sicher mit guten Absichten ausgedacht haben, haben wir mit der CIP-Zertifizierung vom Kopf auf die Füße gestellt.
(Anmerkung: Die Interviews kann man nachlesen: https://cip-scheinselbststaendig.de/interviews-mit-betroffenen/)
Lange habe ich mich in mehreren Expertengruppen ehrenamtlich für eine Gesetzesänderung bei einem Verband eingesetzt. Doch alle Petitionen, Podiumsdiskussionen, Brandbriefe, Plakat-Aktionen in Berlin, Gespräche mit Politikern im BMAS sowie eine weitere Arbeitsgruppe, zu der ich vom Parteivorsitzenden einer politischen Partei als Experte eingeladen wurde, haben über Jahre hinweg keine Verbesserung erreichen können.
Irgendwann muss man vom Reden ins Handeln kommen - so entstand CIP.
Silicon Valley Europe: Sie haben Ihre Karriere bei Ruhrgas begonnen und waren später bei OSRAM, Siemens und Roland Berger tätig. Was hat Sie letztlich dazu bewegt, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen?
Gernot Labs: Die SVE-Mitglieder sind alle Unternehmer. Unser Mindset unterscheidet uns ganz wesentlich von einer Beamten- oder Angestellten-Karriere. Selbstständige und Unternehmer sind überzeugt, irgendetwas besonders gut oder besser zu können. Wir haben eine Vision, wie wir die Welt ein bisschen besser machen können. Als Interim Manager, Berater und auch als Privatperson habe ich Missstände nie einfach als unabänderbar hingenommen, sondern mich für Veränderungen eingesetzt. Deshalb überlassen wir es anderen, staatliche Verfahren und Gesetze zu verändern und bieten bis dahin eine privatwirtschaftliche digitale Transformationslösung für Auftragnehmer und Auftraggeber an.
Silicon Valley Europe: Die Idee von CIP Certified Independent Professional GmbH klingt auf den ersten Blick schon spannend. Welches Problem löst sie konkret für Selbstständige und ihre Auftraggeber?
Gernot Labs: Ich setze mal voraus, dass Scheinselbstständigkeit bekannt ist. Die CIP-Zertifizierung funktioniert wie ein „Selbstständigkeits-TÜV“, nur nicht alle vier Jahre, sondern mit einem permanent aktuell zu haltenden Selbstständigen-Status. Selbstständige erkennen Risiken der Scheinselbstständigkeit und können diese – diskret – beseitigen, ohne ein Compliance-Risiko für ihre Auftraggeber darzustellen. Auftraggeber können (wörtlich) mit einem Mausklick ihren gesetzlichen Kontrollverpflichtungen nachkommen und dies auch vor Gericht belegen und damit dem Vorwurf (grob) fahrlässiger oder vorsätzlicher Gesetzesverstöße begegnen. Wir haben im Vorfeld Auftraggeber und ihre Rechtsabteilungen befragt, welche Eigenschaften ein Zertifikat gegen Scheinselbstständigkeitsrisiken haben müsste, damit sie Selbstständige wieder bedenkenlos beauftragen könnten. Genau das haben wir mit der CIP-Zertifizierung als gemeinsame Plattform entwickelt.
Für Selbstständige lösen CIP-Zertifikate im Wesentlichen folgende Probleme:
- Zunächst natürlich die Gefahr von Nachzahlungen an die Sozialkassen und hohe Anwalts- und Gerichtskosten, die schnell existenzbedrohende Dimensionen annehmen können. Vielen fehlen rückwirkend einfach belastbare Belege, dass sie doch selbstständig tätig waren.
- Viele wissen einfach nicht, dass viele Entscheider aufgrund der Angst vor der tickenden Zeitbombe „Scheinselbstständigkeit“ keine Externen mehr beauftragen.
- Solo-Selbstständige schätzen ihr Risikopotenzial für ihre Auftraggeber auch falsch ein und haben bei der Bieterauswahl Wettbewerbsnachteile ggü. anderen Selbstständigen – zum Beispiel aus anderen EU-Ländern.
Auftraggeber profitieren von Externen mit CIP-Zertifikaten im Wesentlichen
- Weil sie sich auf einen permanent aktuellen Selbstständigen-Status nach einem bundesweit einheitlichen Standard und eine Bringschuld ihrer externen Dienstleister vor Gericht beziehen können. Sie erhalten Belege, die sie auch vor Gericht als Nachweis der Erbringung ihrer gesetzlichen Kontrollpflichten verwenden können.
- Aber auch weil CIPs ihre Auftraggeber optimal vor dem Vorwurf schützen, sie hätten ihre gesetzlichen Kontrollpflichten verletzt. Das wiederum sind die Voraussetzungen für Strafen, die bis zum Freiheitsentzug reichen.
- Viele Auftraggeber sagten uns, dass sie auch bei Veränderungen im Umfeld der Selbstständigen haften müssten, die sie überhaupt nicht überprüfen könnten. Auch das Problem haben wir mit CIP gelöst.
- Und dann wäre noch der Ergebnisverbesserungseffekt zu nennen. Auftraggeber können die Vorteile von CIP-Zertifikaten nicht nur kostenlos mitnutzen, sie sparen auch interne Aufwendungen und hohe Margen bei Beauftragungen über Dritte.
Silicon Valley Europe: Warum ist das Thema Scheinselbstständigkeit in Deutschland so ein ungelöstes Dauerproblem – und woran scheitert aus Ihrer Sicht die Politik?
Gernot Labs: Das habe ich mich auch schon oft gefragt. Viele Partei- und Verbands-Vertreter wollen die Scheinselbstständigkeitsprobleme lösen – aber seit Jahren hat sich die Marktlage für Selbstständige nicht nur nicht verbessert – die Prüfungsmöglichkeiten für staatliche Prüfer wurden durch die letzte Gesetzesreform sogar erweitert. Das Risiko „erwischt zu werden“ ist dadurch also sogar deutlich gestiegen. Wie auch in anderen westlichen Ländern unterliegt auch Deutschland einem demografischen Wandel. Das kennt jeder: Immer weniger Erwerbstätige müssen nach dem Generationenvertrag immer mehr Rentner finanzieren. Nicht umsonst sprechen viele bei diesem Thema von einer Jahrhundert-Aufgabe, die viele Wirtschaftsbereiche betrifft.
Manche fordern daher seit Jahren mit Blick über unsere südlichen Staatsgrenzen, Beamte und Selbstständige (inkl. Freelancer, Unternehmer) sollten doch verpflichtet werden, in die staatliche gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen. Stellen wir uns doch einmal die Frage, welche Auswirkungen das hätte:
Wer in der Zukunft nur kurze Zeit einzahlt, würde später keine ausreichenden Zahlungen erwarten dürfen und hätte rückwirkend betrachtet keine Leistungen erhalten. Wie möchten Politiker ihren Wählern vermitteln, dass sie ihre Altersvorsorge von einer höher verzinsten privaten Vorsorge in eine schlechter verzinste, staatliche Leistung umschichten sollen? Finanzexperten und -minister raten zur „Aktien-Rente“, wie sie in anderen Ländern praktiziert wird. Auch insgesamt wird die Diskussion m.E. nur verkürzt auf das selbstständige Einkommen reduziert. Viele haben Immobilien und sonstige Vermögenswerte als Altersvorsorge geschaffen. Welche Einflüsse hätte eine solche Entscheidung wohl auf den milliardenschweren Versicherungs- und Immobilienmarkt? Selbstständige und Unternehmer sorgen in der Mehrheit auch heute für ihre Altersvorsorge, aber bei privaten Anbietern. Würden dann mehr oder noch weniger Wohnungen gebaut?
Wir haben bei der CIP-Entwicklung berücksichtigt, dass wir eine Gesamtlösung schaffen, der möglichst viele Parteien im Bundestag zustimmen können. CIP ist sozial gerecht, verdeckt keine Straftaten, sondern verhindert diese durch geeignete Maßnahmen. Selbstständige mit starken Einkommen verhalten sich solidarisch ggü. schwächeren selbstständigen Einkommensgruppen.
Sie können davon ausgehen, dass wir seit Jahren von staatlichen Institutionen beobachtet werden und bereits mehrmals geprüft wurden. Niemals gab es Anlass zu Beanstandungen und ich habe den Eindruck, dass die Vorteile der CIP-Zertifizierung auch für die DRV, den Zoll, für mehr Steuereinnahmen und für die Entlastung der Gerichte nur Vorteile bringt.
Silicon Valley Europe: Wie funktioniert die CIP-Zertifizierung in der Praxis? Welche Schritte durchläuft ein Selbstständiger, der sich zertifizieren lassen möchte?
Gernot Labs: Er registriert sich auf www.cip-scheinselbststaendig.de, füllt in ca. 30 – 60 Minuten einen Online-Fragebogen aus, der aus über 80 Fragen besteht. Alle Fragen sind mit gut verständlichen Erläuterungen und ggf. Praxisbeispielen hinterlegt. Wer anfangs durchfällt, zahlt bei uns nichts. Unsere Kunden sind ausnahmslos NICHT scheinselbstständig. Man kann sich also ein „Selbstständigen-Profil“ anlegen und nach und nach ggf. bestehende Risikofaktoren abstellen und jederzeit wieder ein CIP-Zertifikat erzeugen.
Wer gleich die richtigen Antworten gegeben hat, kann optional ein Bild hochladen und das Zertifikat als PDF 24/7 herunterladen. Der Selbstständige entscheidet allein, ob und wenn, wem er sein CIP-Zertifikat zur Verfügung stellen möchte. Natürlich werden alle Daten vertraulich und nur für den Selbstständigen einsehbar gespeichert. Auftraggeber haben nur Zugriff auf die Inhalte des – vom Selbstständigen – selbst zur Verfügung gestellten CIP-Zertifikates, nicht auf einzelne Antworten im Fragebogen. Selbstverständlich haben auch staatliche Stellen keinen Zugriff auf diese Daten. CIP ist eine Lösung für Auftragnehmer und Auftraggeber, nicht für staatliche Institutionen – aber alle profitieren von CIP-Zertifikaten.
Unsere Kunden fügen ihr CIP-Zertifikat ihren Angeboten bei und können so bedenkenlos beauftragt werden.
Auftraggeber müssen nur alle drei Monate auf den Ident-Code auf der Titelseite des CIP-Zertifikates klicken, um ihre gesetzlichen Kontrollpflichten zu erfüllen. In Erklärvideos wird das alles genau erklärt.
Silicon Valley Europe: Was bringt die Zertifizierung konkret für Auftraggeber? Schützt sie auch in kritischen Prüfungssituationen – etwa durch Rentenversicherungsträger oder Zoll?
Gernot Labs: Den wesentlichen Nutzen hatte ich ja bereits erwähnt. Die Zertifizierung wirkt wie ein diskretes Frühwarnsystem. Beide Vertragspartner können nur reagieren, wenn sie Risikofaktoren rechtzeitig erkennen. Die Probleme können diskret abgestellt werden. Wenn ein Statusfeststellungsverfahren Hinweise auf Scheinselbstständigkeit gibt, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Manche Auftraggeber bemängelten zu Recht, das der Aufwand zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Kontrollpflichten die Einrichtung einer Abteilung erforderlich machen würde.
Ein CFO sagte mir mal am Telefon, dass er diesen Aufwand mit CIP-Zertifikaten nicht einsparen könnte, weil sie in diesem Unternehmen keine Kontrollen dieser Art hätten. Das stimmt. Wer interne Sicherheits-/Kontroll-Lücken erkennt, kann diese diskret innerhalb von 48 Stunden und ohne Kosten schließen. Solche Defizite zu erkennen und nicht zu handeln, ist sicher die schlechteste aller Handlungsalternativen.
CIP-Zertifikate können keine (unter staatlicher Hoheit stehende) Statusfeststellungsverfahren ersetzen, nehmen diesen aber alle Erfolgschancen gegen Auftraggeber und darauf kommt es an.
Silicon Valley Europe: Wie unterscheidet sich Ihr Modell von anderen Ansätzen, zum Beispiel von Versicherungen oder Statusfeststellungsverfahren?
Gernot Labs: CIP arbeitet präventiv und bietet einen permanent aktuellen Selbstständigen-Status und das für jeden einzelnen neuen Auftrag, statt einer nur einmaligen Punkt-Prüfung beim Statusfeststellungsverfahren, bei dem direkt Sanktionen folgen. Versicherungen dürfen keine finanziellen Schäden und Strafen abdecken, die aufgrund von Straftaten entstanden sind. CIP hilft, diese Risiken von vornherein zu vermeiden.
Die CIP Certified Independent Professional GmbH ist einziger Anbieter in Deutschland und der EU, vermutlich auch weltweit.
Von der Möglichkeit, ein freiwilliges Statusfeststellungsverfahren zu nutzen, raten Experten ab. Zu hoch ist der Anteil der „positiven“ Bescheide, gegen die sich vermeintlich Selbstständige dann wehren müssen. Für jeden Auftrag sich eine Genehmigung von einer Behörde zu holen kann nur jemand vorschlagen, der als Beamter kaum Kenntnisse von der freien Wirtschaft hat.
Silicon Valley Europe: Deutschland hat in den letzten Jahren Hunderttausende Selbstständige verloren. Welche volkswirtschaftlichen Risiken sehen Sie, wenn sich dieser Trend fortsetzt?
Gernot Labs: Weniger Selbstständige, Freiberufler und Unternehmensgründungen bedeuten weniger Innovation, weniger flexibel verfügbares Expertenwissen, weniger Dynamik, um auf globale Herausforderungen reagieren zu können - Wettbewerbsfähigkeit, weniger Aufträge und letztlich weniger Steuereinnahmen. Wer keine Umsätze macht, weil Auftraggeber vor Scheinselbstständigkeit Angst haben, kann auch keine Altersvorsorge betreiben.
Die Selbstständigen-Quote oder Unternehmens-Neugründungsquote in Deutschland ist im Vergleich zu anderen europäischen großen Volkswirtschaften alarmierend. Deutschland besetzt einen der letzten Plätze.
Stellen Sie sich einmal vor, wie viele Ressourcen (Steuergelder) bei der Deutschen Rentenversicherung, beim Zoll, bei Betriebsprüfungen, bei überlasteten Arbeits- und Sozialgerichten bei einer flächendeckenden Nutzung der CIP-Zertifikate für noch wichtigere Aufgaben freigesetzt werden würden.
Silicon Valley Europe: Glauben Sie, dass die deutsche Wirtschaft heute ohne Selbstständige, Freelancer und Interim Manager überhaupt noch wettbewerbsfähig wäre?
Gernot Labs: Auf keinen Fall! Wie will die deutsche Wirtschaft Herausforderungen wie Digitalisierung und KI in einem immer härteren internationalen Wettbewerb ohne selbstständige Wissensarbeiter bewältigen?
Regulierungsbegeisterte Beamte und Politiker müssen endlich verstehen, dass wir nicht auf einer Insel leben. Nicht nur Produktion, auch Wissens-Arbeit kann ganz einfach global verlagert werden. Statt weniger, brauchen wir mehr flexibel einsetzbare Knowhow-Träger und das funktioniert nicht mit tarifgebundenen Arbeitsverträgen und langen Kündigungsfristen, wie sich das einige vorstellen. Wir sollten endlich die selbstgemachten Hürden abschaffen und Selbstständige für ihre Unternehmenskunden arbeiten lassen. Für diese engagierten cleveren Leute und deren Kunden bieten wir bei CIP eine Lösung an.
Silicon Valley Europe: Sie wurden mit CIP vom Magazin FOCUS als Innovations-Champion 2024 ausgezeichnet. Was bedeutet diese Anerkennung für Sie persönlich und für Ihr Unternehmen?
Gernot Labs: Das FOCUS Magazin und der Burda-Konzern setzen sich vorbildlich für Unternehmen und Innovationen ein. CIP ist einer von 200 Preisträgern von 25.500 von FOCUS im Vorfeld individuell nominierten Unternehmen. Das ist schon eine besondere Anerkennung für eine digitale Transformationslösung, die es in dieser Form noch nicht gab.
Vielleicht erkläre ich kurz, worin die bisher einmalige Innovation liegt:
Unser Team analysiert urteilsrelevante Informationen aus Gerichtsverfahren und aktualisiert diese neuen Erkenntnisse in einen bereits existierenden Algorithmus. Unser Online-Fragebogen bietet die Möglichkeit, jeden einzelnen Auftrag und alle relevanten Einflussfaktoren – auch Veränderungen während der Leistungserbringung – auf etwaige Risiken diskret zu prüfen und somit zu reagieren, bevor ein Schaden bereits eingetreten ist. Manche Juristen reagierten in Rechtsabteilungen die CIP getestet haben anfangs zurückhaltend. Das ist neu, funktioniert aber!
Wir fanden es suboptimal, dass Statusfeststellungsverfahren erst mitten in der Leistungserbringung (also während der Auftragsausführung) erfolgen und so viele Einzelfragen in Tausenden einzelnen Verfahren von Anwälten und Richtern mühsam in Akten geprüft werden müssen. Stattdessen ziehen wir diese vielen Fragen einfach in unseren Online-Fragebogen nach vorne in eine Zertifizierung und bilden einen (privatwirtschaftlichen) Selbstständigen-Status. Damit stellen wir den Prozess vom Kopf auf die Füße.
Es ist nämlich nicht fair, Selbstständige und ihre Auftraggeber guten Glaubens in solche Situationen laufen zu lassen, wenn sie nicht einmal erahnen, dass sie scheinselbstständig beschäftigt sein könnten. Das ist weder „sozial gerecht“ noch unbürokratisch.
Silicon Valley Europe: Was müsste aus Ihrer Sicht politisch passieren, um endlich mehr Rechtssicherheit für selbstständige Wissensarbeiter zu schaffen?
Gernot Labs: Die Politik sollte CIP als Standard anerkennen und Statusfeststellungen auf begründete Verdachtsfälle beschränken.
Silicon Valley Europe: Welche drei Ratschläge würden Sie jungen Selbstständigen geben, die gerade erst anfangen?
Gernot Labs: Ja, unbedingt.
1) Beschäftigen Sie sich früh mit Scheinselbstständigkeit und machen Sie nicht den Fehler zu glauben, das Thema beträfe Sie oder Ihre externen Dienstleister nicht.
2) Berücksichtigen Sie fehlende Auslastungstage realistisch in Ihrer Preiskalkulation und tun Sie alles dafür, dass Sie nicht zu lange nach einem Folge-Auftrag suchen müssen. Mit CIP-Zertifikaten gewinnen Sie schneller neue Aufträge!
3) Sichern Sie sich und Ihre Kunden professionell gegen Haftungsrisiken ab, statt auf Checklisten oder Glück zu vertrauen.
Silicon Valley Europe: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten – was müsste sich im deutschen Arbeitsmarkt oder Selbstständigenrecht über Nacht ändern?
Gernot Labs: Die bestehenden Regelungen sollten durch ein einfaches, faires System ersetzt werden, das Unternehmern nicht im Weg steht. Politik soll Rahmenbedingungen für die Wirtschaft schaffen und nicht einzelne Gruppen unter Generalverdacht stellen. CIP-Zertifizierungen wären sicher ein in der Praxis bewährter Beitrag dazu.
Silicon Valley Europe: Abschließend gefragt: Warum ist es für Unternehmen und Selbstständige gerade jetzt so wichtig, auf eine Lösung wie CIP zu setzen?
Gernot Labs: Weil Unwissenheit zu diesem Thema leider nicht vor Nachzahlungen und Strafen schützt. Kaum ein Thema hat auf der einen Seite ein so hohes Risiko mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit und so wenig Zeit- und Kostenaufwand für den Selbstständigen (29 € im Monat).
Daher ist es für Selbstständige wichtig zu realisieren, dass es unbedeutend ist, ob sie selbst wissen (oder glauben zu wissen), dass sie nicht scheinselbstständig sind. Versetzen Sie sich bitte in die Lage des Auftraggebers, der in die persönliche Haftung genommen werden könnte und dem empfindliche Strafen drohen.
Tun was für Ihr Eigen-Marketing: Unterscheiden Sie sich sichtbar von SCHEIN-Selbstständigen! Machen Sie Ihren Kunden deutlich, dass sie Sie bedenkenlos beauftragen können bzw. zeigen Sie Auftraggeber auch Ihren Kunden, dass Sie keine tickenden Zeitbomben, sondern nur CIPs einsetzen!
Silicon Valley Europe: Vielen Dank für Ihre Zeit und das fantastische Interview mit dem Einblick in Ihre tägliche Arbeit.