Im Interview mit Vincent Hock, Gründer und CEO

Bei einem Brand zählt jede Sekunde. Doch was passiert, wenn Einsatzkräfte im entscheidenden Moment nicht wissen, wie ein Gebäude aufgebaut ist – oder wo sich gefährdete Personen befinden? Genau dieser dramatische Realfall brachte Vincent Hock und Leo Mergel auf eine Idee, die deutschlandweit für Aufsehen sorgt: HomeResQ, das erste System weltweit, das sicherheitsrelevante Gebäudedaten digital und in Echtzeit für Rettungskräfte bereitstellt.
Vincent Hock, Gründer und Geschäftsführer des mehrfach ausgezeichneten Startups, spricht im exklusiven Interview über die Entstehungsgeschichte von HomeResQ – einem System, das aus einem Einsatz heraus geboren wurde und heute in Privathaushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen Leben rettet. Ob Grundrisse, Hinweise zu nicht mobilen Personen, Tieren oder potenziellen Gefahrenquellen: HomeResQ liefert Einsatzkräften sekundenschnell die entscheidenden Informationen – sicher, verschlüsselt und DSGVO-konform.
Nach Berichten in der Tagesschau, dem NDR und zahlreichen Fachmedien ist HomeResQ nun auch neues Mitglied der Innovationsplattform Silicon Valley Europe. Grund genug für uns, den Mann hinter der Idee zu Wort kommen zu lassen.
Was treibt ihn an? Welche Vision hat er für Deutschland - und wie kann jeder Immobilienbesitzer dazu beitragen, Rettungseinsätze effizienter und sicherer zu machen? Außerdem gehen wir der Frage nach, wie gerade Städte und Gemeinden und die damit verantwortlichen Bürgermeister und Bürgermeisterin mehr für die Sicherheit ihrer Bürger tun können.
In diesem spannenden Interview mit Vincent Hock sprechen wir über Mut, Verantwortung und Digitalisierung im Rettungswesen und zeigen, wie innovativ und leistungsfähig Ideen und Digitalisierung in Deutschland sind.
👉 „Wenn jede Sekunde zählt, darf keine Zeit mit Suchen verloren gehen.“ – Vincent Hock
Silicon Valley Europe: Herr Hock, HomeResQ ist aus einem realen Brandeinsatz heraus entstanden. Wie genau kam es zu diesem Schlüsselmoment, der Ihr Denken verändert hat?
Vincent Hock: Der Auslöser war ein Einsatz, den mein Mitgründer Leo Mergel als Feuerwehrmann miterlebt hat. Bei einem Wohnungsbrand wurde eine Person erst im letzten Moment gefunden. Die Einsatzkräfte hatten keinerlei Informationen über den Grundriss oder die Anzahl der Bewohner. Diese Situation hat uns tief geprägt und wir wussten: So etwas darf nicht nochmal passieren. Wir haben uns gefragt, warum es bei allem anderen mehr Infos gibt als bei einem Rettungseinsatz. Das war der Startpunkt für HomeResQ.
Silicon Valley Europe: Wie haben Sie aus diesem Erlebnis heraus die Idee zu einem digitalen System entwickelt und wie sahen die ersten Schritte der Umsetzung aus?
Vincent Hock: Wir haben direkt nach dem Einsatz angefangen, mit Einsatzkräften zu sprechen, um ihre Perspektive besser zu verstehen. Dann haben wir ein System entwickelt, das alle relevanten Gebäudedaten zentral und digital verfügbar macht, einfach abrufbar über einen QR-Code am Gebäude. Inzwischen ist daraus eine vollumfängliche Plattform geworden, die sich ständig weiterentwickelt. Wir entwickeln HomeResQ seit über sieben Jahren mit viel Herzblut, Praxisnähe und im ständigen Austausch mit Feuerwehren.
Silicon Valley Europe: Inzwischen berichten Medien wie die Höhle der Löwen und die Tagesschau über HomeResQ. Wie sind Sie mit dieser schnellen Aufmerksamkeit umgegangen?
Vincent Hock: Die Resonanz hat uns überwältigt. Wir wurden in der Tagesschau, im NDR, in Fachmedien und zuletzt bei Die Höhle der Löwen vorgestellt. Diese Aufmerksamkeit hilft uns, das Thema Sicherheit und Digitalisierung in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Gleichzeitig nehmen wir die Verantwortung sehr ernst und investieren viel Energie in die Weiterentwicklung des Systems, in Schulung von Einsatzkräften und in Kooperationen mit Kommunen und Organisationen.
Silicon Valley Europe: Was unterscheidet HomeResQ konkret von klassischen Systemen oder bestehenden Sicherheitslösungen?
Vincent Hock: HomeResQ ist kein statisches Informationsblatt, sondern ein dynamisches System, das im Einsatzfall in Sekundenschnelle entscheidende Informationen liefert. Egal ob Grundriss, Infos zu Personen mit eingeschränkter Mobilität, Tieren oder Gefahrenquellen, alles ist verschlüsselt gespeichert, jederzeit aktuell und sofort abrufbar. Die Feuerwehr braucht nur ein mobiles Endgerät und scannt den QR-Code außen am Gebäude. Es ist einfach, robust und praxisorientiert.
Silicon Valley Europe: Die Feuerwehr hat im Ernstfall oft keinen Überblick über das, was sie hinter der Haustür erwartet. Wie verändert HomeResQ diese Realität?
Vincent Hock: Statt auf Vermutungen angewiesen zu sein, wissen Einsatzkräfte mit HomeResQ sofort, was sie erwartet. Welche Räume gibt es, wo schlafen Kinder, gibt es Haustiere, Gasflaschen oder Kellerwohnungen. Diese Informationen können Leben retten, den Einsatz sicherer machen und helfen, Ressourcen effizient einzusetzen. Es geht darum, Zeit zu sparen und Sekunden entscheiden oft über Leben und Tod.
Silicon Valley Europe: Datenschutz ist gerade bei sensiblen Gebäudedaten ein zentrales Thema. Wie garantieren Sie, dass die Daten Ihrer Kundinnen und Kunden sicher sind?
Vincent Hock: Datenschutz war von Anfang an eine unserer obersten Prioritäten. Alle Daten werden DSGVO-konform verschlüsselt auf Servern in Deutschland gespeichert. Der Zugriff erfolgt über eine zufällig generierte Zahlenfolge, die nur von autorisierten Rettungskräften im System verwendet werden kann. Für Dritte ist dieser Code völlig wertlos. Die Daten gehören jederzeit dem Nutzer. Es findet keine Weitergabe an Dritte statt.
Silicon Valley Europe: Ihr System basiert auf QR-Codes an Gebäuden. Wie reagieren Rettungskräfte auf diese digitale Unterstützung und wie funktioniert die Schulung?
Vincent Hock: Die Akzeptanz bei Feuerwehren ist sehr hoch, vor allem weil das System kostenlos, extrem einfach und schnell zu bedienen ist. Der QR-Code ist außen am Gebäude angebracht, kann mit jedem mobilen Endgerät gescannt werden und liefert in wenigen Sekunden alle Informationen. Wir bieten Webinare, Anleitungen und einen kostenfreien Zugang für Feuerwehren an, damit jede Einsatzkraft das System vorab kennenlernen kann. Außerdem arbeiten wir regelmäßig mit Feuerwehren zusammen, um HomeResQ weiter zu verbessern.
Silicon Valley Europe: Sie sprechen von einer Vision eines flächendeckend vorbereiteten Deutschlands. Wie weit sind wir Ihrer Einschätzung nach davon entfernt?
Vincent Hock: Wir sind auf einem guten Weg. HomeResQ wird bereits in mehreren Bundesländern genutzt, von Privathaushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Aber bis jedes Haus vorbereitet ist, braucht es noch viel Aufklärung, Unterstützung durch Kommunen und vor allem den Mut, neue Wege zu gehen. Unsere Vision ist, dass kein Einsatz mehr im Blindflug beginnt.
Silicon Valley Europe: Kommunen spielen eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierung der Sicherheitsinfrastruktur. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden bisher?
Vincent Hock: Viele Städte und Gemeinden zeigen großes Interesse, vor allem wenn sie konkrete Pilotprojekte sehen. Gleichzeitig gibt es oft Hürden durch langwierige Entscheidungsprozesse oder fehlende Zuständigkeiten. Wir setzen deshalb auf niederschwellige Angebote, Kooperationen und zeigen mit erfolgreichen Beispielen, wie einfach die Umsetzung sein kann, auch mit wenig Aufwand.
Silicon Valley Europe: Viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister wollen ihre Kommune sicherer und moderner machen. Wie kann HomeResQ dabei konkret unterstützen?
Vincent Hock: Mit HomeResQ können Kommunen ein Zeichen für moderne, bürgernahe Sicherheit setzen. Wir bieten flexible Lizenzen für ganze Straßenzüge oder Stadtteile, liefern Informationsmaterial für Bürgerinnen und Bürger und sorgen gemeinsam mit den Feuerwehren für die Integration vor Ort. Dabei achten wir auf einfache Prozesse und geringe Einstiegshürden. All das komplett kostenlos für die Gemeinden.
Silicon Valley Europe: Oft sind es Bürgermeister, die entscheiden, ob ein Pilotprojekt gestartet wird oder nicht. Welche Argumente überzeugen Entscheidungsträger besonders?
Vincent Hock: Dass es um Menschenleben geht. HomeResQ ist keine Zukunftsmusik, sondern eine sofort einsetzbare Lösung, die Sicherheit, Digitalisierung und Bürgernähe verbindet. Besonders überzeugend sind die Erfolgsprojekte, bei denen das System bereits funktioniert, mit geringem Aufwand, aber großer Wirkung.
Silicon Valley Europe: Welche Rolle können kommunale Kommunikationskanäle wie Bürgerversammlungen, Amtsblätter oder Stadt-Apps dabei spielen, das System in der Bevölkerung zu verankern?
Vincent Hock: Eine zentrale Rolle. Dort, wo Kommunen aktiv informieren, ist die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger deutlich höher. Ob über Flyer, Stadtfeste, die eigene Website oder Push-Nachrichten in Stadt-Apps, jede Kommunikation hilft, Ängste abzubauen und Vertrauen aufzubauen.
Silicon Valley Europe: Wie sehen Sie die Verantwortung der Kommunen, Bürgerinnen und Bürger proaktiv über digitale Rettungssysteme wie HomeResQ zu informieren?
Vincent Hock: Kommunen tragen Verantwortung für die Sicherheit ihrer Einwohner. Wenn es eine Möglichkeit gibt, diese Sicherheit mit einfachen Mitteln zu verbessern, dann sollte darüber informiert und aufgeklärt werden. Wir unterstützen Kommunen bei dieser Aufgabe mit konkreten Materialien und fertigen Konzepten.
Silicon Valley Europe: Wenn Sie jetzt einem Bürgermeister oder einer Bürgermeisterin gegenüberstünden, was wäre Ihr Appell in einem Satz?
Vincent Hock: Nutzen Sie Ihre Verantwortung, um heute eine Entscheidung zu treffen, die im Ernstfall Leben retten kann.
Silicon Valley Europe: Abschließend gefragt, wenn Sie in einem Satz erklären müssten, was HomeResQ ist, was würden Sie sagen?
Vincent Hock: HomeResQ ist das digitale Rettungssystem, das Einsatzkräften in Sekunden zeigt, wie ein Gebäude aufgebaut ist, wer sich darin befindet und was beim Retten entscheidend ist und damit jeden Einsatz sicherer macht.
Silicon Valley Europe: Vielen lieben Dank für die Erläuterungen zu diesem wichtigen Thema.