Silicon Valley Europe

Im Gespräch mit Matthias Scharf, Founder & CEO der CPC SRL, einem Experten rund um AI-Driven Operations & LegalTech

Im Gespräch mit Matthias Scharf, Founder & CEO der CPC SRL, einem Experten rund um AI-Driven Operations & LegalTech

Wie lassen sich kritische Infrastrukturen, Rechenzentren und Industrieanlagen in einer zunehmend komplexen Welt sicher, stabil und effizient betreiben? Und welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz dabei, Risiken zu minimieren, Ausfälle zu verhindern und Entscheidungen in Echtzeit zu ermöglichen?

Antworten auf diese Fragen liefert Matthias Scharf, Founder & CEO der CPC SRL, im exklusiven Interview mit Silicon Valley Europe. Scharf gilt als ausgewiesener Experte für AI-Driven Operations und LegalTech und hat es sich zur Aufgabe gemacht, komplexe technische Systeme in skalierbare, sichere und beherrschbare Lösungen zu überführen.

Mit CPC SRL verbindet er Hardware, Software und KI-Analytics zu integrierten Sicherheits- und Betriebsplattformen – von Telekommunikations- und Energienetzen über Rechenzentren bis hin zu Industrie-, Verteidigungs- und Logistikanlagen. Sein Ansatz: Fragmentierte Daten, Altsysteme und isolierte Überwachungslösungen werden zu einer einheitlichen Echtzeit-Handlungsintelligenz zusammengeführt. Das Ergebnis sind weniger Vorfälle, deutlich geringerer Überwachungsaufwand und fundiertere Entscheidungen – genau dann, wenn es darauf ankommt.

Ein besonderer Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf KI-Videoanalyse und Sicherheitsintegration. Als offizieller Irisity-Integrationspartner zeigt CPC SRL, wie moderne KI-gestützte Videoanalyse weit über klassische Videoüberwachung hinausgeht: von intelligenter Perimeter- und Einbruchserkennung über Verhaltensanalysen und forensische Videosuche bis hin zu militärisch geprägten SOC-Dashboards mit Echtzeit-Lagebild. Kameras werden dabei nicht nur zu Sensoren, sondern zu aktiven Entscheidungshilfen – inklusive automatischer Überwachung der System- und Kamera-Gesundheit.

Im Interview spricht Matthias Scharf darüber, warum KI gerade für kritische Infrastrukturen zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird, wie sich Sicherheit und Effizienz sinnvoll verbinden lassen und weshalb Klarheit aus Komplexität der Schlüssel für resiliente, zukunftsfähige Systeme ist. Ein Gespräch über Technologie, Verantwortung und die Frage, wie intelligente Systeme helfen können, menschliche Entscheider zu entlasten – ohne die Kontrolle aus der Hand zu geben.

Silicon Valley Europe: Herr Scharf, Sie sprechen davon, komplexe Systeme in skalierbare und sichere Lösungen zu überführen. Was war für Sie persönlich der Auslöser, sich genau diesem Spannungsfeld aus Komplexität, Sicherheit und KI zu widmen?


Matthias Scharf: Mich hat schon immer fasziniert, wenn Technik an ihre Grenzen stößt – genau dort entstehen die spannendsten Innovationen. In kritischen Infrastrukturen, Rechenzentren oder industriellen Umgebungen ist die Komplexität heute so hoch, dass rein manuelle Überwachung und klassische IT-Systeme nicht mehr ausreichen, um Risiken rechtzeitig zu erkennen.


Ich habe in vielen Projekten gesehen, wie fragmentierte Systeme, Silos und veraltete Lösungen wertvolle Zeit kosten, wenn es wirklich darauf ankommt. Daraus ist die Vision für CPC SRL entstanden: Komplexität in Klarheit zu verwandeln, indem wir Hardware, Software und KI so verbinden, dass Betreiber jederzeit ein klares, handlungsorientiertes Lagebild haben – bevor etwas kritisch wird.


Silicon Valley Europe: CPC SRL arbeitet stark an der Schnittstelle von kritischer Infrastruktur, Industrie und KI. Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, bestehende Sicherheits- und Betriebssysteme grundlegend neu zu denken?


Matthias Scharf: Wir erleben gleichzeitig eine Explosion der Datenmengen und eine Zunahme von Bedrohungen – von Cyberangriffen bis zu physischen Sicherheitsrisiken. Klassische Überwachungs- und Leitsysteme sind dafür nicht ausgelegt, sie arbeiten oft isoliert und reaktiv.


Gleichzeitig sind Cloud, Edge Computing und KI-Analytics technisch so weit, dass wir sie heute stabil, skalierbar und sicher in produktive Umgebungen bringen können. Für Betreiber ist das die Chance, aus gewachsenen Insellösungen integrierte Plattformen zu machen: weniger Komplexität, mehr Automatisierung, mehr Transparenz und messbar bessere Entscheidungen in Echtzeit.


Silicon Valley Europe: Viele Betreiber kritischer Infrastrukturen kämpfen mit fragmentierten Daten und gewachsenen Altsystemen. Wo sehen Sie aktuell die größten Risiken – und die größten ungenutzten Potenziale?


Matthias Scharf: Das größte Risiko ist, dass kritische Informationen zwar irgendwo im System vorhanden sind, aber niemand sie rechtzeitig sieht. Wenn Video, Zutrittskontrolle, Sensorik, IT-Monitoring und Betriebsdaten getrennt laufen, bleibt das Gesamtbild diffus – im Ernstfall zählt jedoch jede Sekunde.


Das ungenutzte Potenzial liegt genau in dieser Fragmentierung: Wenn wir Datenströme vereinheitlichen, korrelieren und mit KI auswerten, entsteht aus vielen Einzelsignalen eine echte Handlungsintelligenz. Betreiber können dann Ereignisse früher erkennen, Ursachen besser verstehen und gezielter reagieren – mit weniger Aufwand im Leitstand und höherer Betriebssicherheit.


Silicon Valley Europe: Sie sprechen von „Echtzeit-Handlungsintelligenz“. Was bedeutet das konkret im Alltag eines Betreibers von Rechenzentren, Energie- oder Telekommunikationsnetzen?


Matthias Scharf: Echtzeit-Handlungsintelligenz bedeutet, dass ein System nicht nur Daten sammelt, sondern automatisch priorisiert, interpretiert und in konkrete Handlungsempfehlungen übersetzt. Für einen Rechenzentrumsbetreiber kann das heißen: Das System erkennt eine Auffälligkeit am Perimeter, prüft gleichzeitig Zutrittslogdaten und Kamerafeeds und generiert eine klar priorisierte Alarmmeldung, statt einfach nur „Bewegung erkannt“ zu melden.


Im Ergebnis sehen Operatoren nicht hunderte Alarme, sondern die drei, die wirklich kritisch sind – inklusive Kontext, Vorschlägen für nächste Schritte und lückenloser Dokumentation. So wird aus Überwachung ein aktives Risikomanagement, das Sicherheit, Verfügbarkeit und Effizienz gleichermaßen verbessert.


Silicon Valley Europe: Ein zentrales Element Ihrer Lösungen ist KI-Videoanalyse. Was unterscheidet moderne KI-gestützte Videoanalyse fundamental von klassischer Videoüberwachung?


Matthias Scharf: Klassische Videoüberwachung bedeutet: Viele Kameras, viele Monitore und Menschen, die versuchen, nichts zu übersehen. Das ist weder skalierbar noch zuverlässig, denn kein Operator kann dutzende Streams über Stunden wirklich aufmerksam verfolgen.


Moderne KI-Videoanalyse macht Kameras zu intelligenten Sensoren. Sie erkennt Muster, Verhaltensweisen und Anomalien – zum Beispiel unbefugte Personen an einem Zaun, ungewöhnliche Bewegungsmuster oder abgestellte Objekte – und meldet nur das, was relevant ist. In Kombination mit forensischer Videosuche und anpassbaren Detektionsagenten wird aus „Video ansehen“ ein präzises, datengetriebenes Sicherheitsinstrument.


Silicon Valley Europe: Als offizieller Integrationspartner von Irisity IRIS+ setzen Sie auf offene Integration in bestehende VMS- und Kamerasysteme. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht Investitionsschutz bei der Einführung von KI-Systemen?


Matthias Scharf: Investitionsschutz ist für uns ein zentrales Prinzip. Viele Betreiber haben über Jahre in Kameras, VMS und Leitstellentechnik investiert – die Antwort kann nicht sein, alles zu ersetzen. Deshalb integrieren wir Irisity IRIS+ und unsere eigenen Komponenten so, dass bestehende Infrastrukturen weiter genutzt und intelligent erweitert werden.


Offene Schnittstellen und flexible Architekturen ermöglichen, dass Kunden schrittweise modernisieren können: vom ersten Pilotbereich bis zur unternehmensweiten KI-Plattform. Das reduziert Projektrisiken, schützt Budgets und sorgt dafür, dass KI als Enabler wahrgenommen wird – nicht als Störfaktor im laufenden Betrieb.


Silicon Valley Europe: KI kann heute Einbrüche, ungewöhnliches Verhalten oder sicherheitsrelevante Muster automatisch erkennen. Wie verändern solche Systeme die Rolle von Sicherheits- und Leitstellenpersonal?


Matthias Scharf: KI ersetzt nicht das Leitstellenpersonal – sie gibt ihm endlich die Werkzeuge, um in der Informationsflut den Überblick zu behalten. Routineaufgaben wie permanentes Bildschirm-Scanning, einfache Mustererkennung oder das manuelle Suchen in Stunden von Videomaterial werden automatisiert.


Dadurch verschiebt sich die Rolle der Menschen hin zu Bewertung, Entscheidung und Koordination. Operatoren konzentrieren sich auf wirklich kritische Situationen, arbeiten mit klaren Prioritäten und können Vorfälle schneller und strukturierter abarbeiten. Das entlastet Teams, reduziert Fehler und steigert gleichzeitig die Qualität der Entscheidungen.


Silicon Valley Europe: Sie betonen immer wieder die Entlastung von Menschen zugunsten besserer Entscheidungen. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen Automatisierung und menschlicher Kontrolle?


Matthias Scharf: Unsere Philosophie ist klar: KI soll vorbereiten, priorisieren und empfehlen – die finale Entscheidung bleibt beim Menschen. In kritischen Infrastrukturen und sicherheitsrelevanten Bereichen ist es entscheidend, dass Verantwortlichkeiten nachvollziehbar bleiben und kein „Black Box“-Gefühl entsteht.


Deshalb legen wir großen Wert auf transparente Workflows, erklärbare Alarme und klare Eskalationspfade. Das System liefert kontextreiche Informationen und Handlungsvorschläge, der Operator entscheidet und dokumentiert – unterstützt von der Plattform, aber niemals ersetzt. Das schafft Vertrauen und Akzeptanz bei allen Beteiligten.


Silicon Valley Europe: Ihre Lösungen kommen auch in hochsensiblen Bereichen wie Verteidigung und Militär zum Einsatz. Welche besonderen Anforderungen stellen diese Umfelder an KI, Sicherheit und Systemarchitektur?


Matthias Scharf: In solchen Umgebungen gelten maximale Anforderungen an Resilienz, Verfügbarkeit und Sicherheit – technisch wie organisatorisch. Systeme müssen auch unter Stress, bei Netzwerkausfällen oder in hybriden Szenarien aus Cloud, Edge und On-Premise zuverlässig funktionieren.


Gleichzeitig sind Themen wie Zugriffskontrolle, Datenklassifizierung und Auditierbarkeit zentral. Wir entwickeln Architekturen, die militärisch geprägte SOC-Dashboards, hochsichere Perimeterschutz-Analytics und strenge Compliance-Vorgaben verbinden – ohne die Bedienbarkeit und Geschwindigkeit im Einsatzfall zu kompromittieren.


Silicon Valley Europe: Viele Unternehmen haben Respekt vor KI, insbesondere wenn es um Überwachung, Datenschutz und Compliance geht. Wie begegnet CPC SRL diesen Bedenken?


Matthias Scharf: Der Respekt ist berechtigt – und genau deshalb setzen wir auf Transparenz und Privacy-by-Design. Wir betrachten jedes Projekt durch die Brille von Datenschutz, Regulatorik und Governance: Welche Daten sind wirklich nötig, wie werden sie verarbeitet, wer hat Zugriff, wie lange werden sie gespeichert?


Technisch kombinieren wir Anonymisierung, rollenbasierte Zugriffsmodelle und klare Protokollierung mit organisatorischen Maßnahmen wie Schulungen und Richtlinien. So wird KI nicht zum Risiko, sondern zu einem kontrollierten, auditierbaren Baustein moderner Sicherheits- und Betriebsprozesse.


Silicon Valley Europe: Welche messbaren Effekte sehen Ihre Kunden typischerweise nach der Einführung Ihrer KI- und Smart-Systeme – etwa in Bezug auf Ausfallzeiten, Risiken oder Betriebskosten?


Matthias Scharf: Unsere Kunden berichten vor allem von drei Effekten: weniger sicherheitsrelevante Vorfälle, deutlich geringerer Überwachungsaufwand und bessere Entscheidungsqualität im Leitstand. KI-gestützte Perimeter- und Intrusionsdetektion reduziert Fehlalarme, während forensische Suche und intelligente Dashboards die Bearbeitungszeiten von Vorfällen massiv verkürzen.


Hinzu kommen Einsparungen durch optimierte Prozesse und eine höhere Auslastung bestehender Infrastruktur. Wenn ein System frühzeitig Anomalien erkennt, bevor sie zu Störungen oder Ausfällen werden, sinken ungeplante Downtimes – und das wirkt sich unmittelbar auf Betriebskosten und Servicequalität aus.


Silicon Valley Europe: Wenn Sie auf die nächsten fünf Jahre blicken: Wie wird sich der Einsatz von KI in kritischen Infrastrukturen und industriellen Umgebungen Ihrer Meinung nach entwickeln?


Matthias Scharf: Wir werden einen klaren Shift von punktuellen KI-Inseln hin zu durchgängigen, plattformbasierten Lösungen sehen. KI wandert näher an den Rand – also auf Edge-Geräte und Kameras – und wird gleichzeitig zentral orchestriert, um ein konsistentes Lagebild über Standorte und Systeme hinweg zu liefern.


Zudem werden personalisierte Modelle an Bedeutung gewinnen: Statt „One-Size-Fits-All“-Algorithmen nutzen Betreiber KI, die auf ihre spezifische Umgebung trainiert ist, vom Werkstor bis zur Leitwarte. Das erhöht Genauigkeit, reduziert Fehlalarme und macht KI von einem Experiment zu einem unverzichtbaren Teil des operativen Rückgrats.


Silicon Valley Europe: Abschließend gefragt: Welchen Rat geben Sie Entscheidern, die heute vor der Frage stehen, ob und wie sie KI in ihre Sicherheits- und Betriebsprozesse integrieren sollen?


Matthias Scharf: Starten Sie pragmatisch, aber mit klarer Vision. Wählen Sie einen konkreten, gut messbaren Use Case – etwa Perimeterschutz, forensische Videosuche oder die Konsolidierung von Alarmquellen – und testen Sie, wie KI Ihre Teams im Alltag unterstützt.


Achten Sie dabei auf drei Punkte: offene, integrierbare Architektur, konsequenten Investitionsschutz und einen Partner, der Technik, Betrieb und Regulatorik gleichermaßen versteht. Wenn diese Basis stimmt, lässt sich ein erfolgreicher Pilot schrittweise zu einer skalierbaren Plattform ausbauen, die Ihre kritischen Infrastrukturen sicherer, effizienter und zukunftsfähiger macht.


Silicon Valley Europe: Wow, haben Sie Herzlichen Dank für den Einblick in Ihre Arbeit und vor allen Dingen an Ihre Erfolge. Das klingt großartig und wir wünschen Ihnen auf Ihrem Weg weiterhin alles Gute.