Im Interview mit Jürgen Ruf, CEO und Mitgründer der MTG AG

Die MTG AG wurde 1995 gegründet und ist einer der führenden Spezialisten für anspruchsvolle Verschlüsselungstechnologien „Made in Germany“. Das Unternehmen vereinfacht und zentralisiert das Management kryptographischer Schlüssel und Identitäten und berücksichtigt dabei branchenspezifische Anforderungen. Die MTG-Software erfüllt mit Ihrer Lösung höchste kryptographische und operative Standards gemäß NIST und BSI. Die Entwicklungsrichtlinien des Unternehmens umfassen sichere Codierungs-Konstrukte, automatisierte Code-Analysen und Penetrationstests.MTG arbeitet bereits an Lösungen im Bereich der Post-Quanten Kryptografie (PQC), um ihre Kunden gegen zukünftige Bedrohungen durch Quantencomputer zu schützen.
Im exklusiven Interview mit Jürgen Ruf, CEO und Mitgründer der MTG AG, geführt von Silicon Valley Europe, beleuchten wir die langjährige Erfahrung seines Unternehmens im Bereich der IT-Sicherheit. Ruf betont, dass insbesondere mittelständische Unternehmen jetzt verstärkt auf IT-Sicherheit setzen müssen, um sich vor den zunehmenden Bedrohungen zu schützen. Die rasante Entwicklung in der Technologie führt zu ständig wachsenden, neuen Anforderungen an die IT-Sicherheit, wie etwa NIS2, DORA und dem EU Cyber Resilience Act. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, mit den schnellen Veränderungen Schritt zu halten und gleichzeitig ihre Systeme und Daten zu schützen. Die Umsetzung erhöhter Sicherheitsmaßnahmen erfolgt jedoch nicht ohne Probleme, da sie oft mit hohen Kosten, spezifischem Fachwissen, komplexen Implementierungen und einem erhöhten Schulungsbedarf für die Mitarbeiter verbunden sind.
Silicon Valley Europe: Herr Ruf, welche spezifischen Herausforderungen sehen Sie für mittelständische Unternehmen im Bereich IT-Security?
Jürgen Ruf: Der Umgang mit zeitgemäßer IT-Sicherheit und daraus resultierenden Anforderungen ist anspruchsvoll und erfordert meist tiefergehendes Fachwissen und Expertise. Mittelständische Unternehmen sind oft von begrenzten Ressourcen und Budgets geprägt, was es ihnen erschwert, eine umfassende IT-Sicherheitslösung zu implementieren. Zudem fehlt es ihnen oft an Fachkräften und Experten im Bereich IT-Sicherheit. Darüber hinaus müssen sie sich auch mit den komplexen regulatorischen Anforderungen auseinandersetzen
Silicon Valley Europe: Welche einfachen Maßnahmen können Mittelständler ergreifen, um ihre IT-Sicherheit zu verbessern?
Jürgen Ruf: : Ein wichtiger Schritt ist die Implementierung von Standard-Sicherheitsmaßnahmen wie Firewall-Konfiguration, regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter zu Sicherheitsthemen, regelmäßiger Software-Update und -Patch, sowie die Verwendung von Zwei-Faktor-Authentifizierung. Darüber hinaus sollten sie auch regelmäßig Sicherheits-Checks durchführen und ihre Systeme auf Schwachstellen untersuchen. Zudem sollten regelmäßige Backups durchgeführt und eine umfassende IT-Sicherheitsstrategie entwickelt werden.
Silicon Valley Europe: Lassen Sie uns nun einmal einen Blick auf die gesetzlichen Anforderungen richten. Können Sie uns einen kurzen Überblick über die wichtigsten gesetzlichen Anforderungen wie NIS2, DORA und EU CRA geben?
Jürgen Ruf: Natürlich. NIS2 ist ein EU-Verordnung, die die IT-Sicherheit von kritischen Infrastrukturen regelt. DORA ist eine EU-Verordnung, die die Cyber-Sicherheit von öffentlichen und privaten Organisationen im Finanz- und Versicherungswesen regelt. Der EU Cyber Resilience Act (CRA) ist eine neue Verordnung, die darauf abzielt, die Cybersicherheit digitaler Produkte und Dienstleistungen in der Europäischen Union zu verbessern. Für Unternehmen in Deutschland bedeutet dies, dass sie die neuen Anforderungen erfüllen müssen, um die Sicherheit ihrer digitalen Produkte und Dienstleistungen zu gewährleisten.
Silicon Valley Europe: Wie bereiten sich Unternehmen am besten auf diese gesetzlichen Anforderungen vor?
Jürgen Ruf: Unternehmen sollten zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme ihrer IT-Infrastruktur und -Prozesse durchführen, um Schwachstellen zu identifizieren. Daraufhin sollten sie spezifische Maßnahmen ergreifen, um diese Schwachstellen zu beheben und die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen sicherzustellen. Dies kann durch die Implementierung von Sicherheitsstandards, regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter und die Nutzung von Technologien wie PKI und KMS erfolgen. Zudem ist es ratsam, regelmäßige Audits und Penetrationstests durchzuführen, um die Effektivität der Sicherheitsmaßnahmen zu überprüfen.
Silicon Valley Europe: Welche Trends und Entwicklungen sehen Sie im Bereich der Authentifizierung und Verschlüsselung?
Jürgen Ruf: Im Bereich der Authentifizierung und Verschlüsselung sehen wir einen Trend hin zu multifaktoriellen Authentifizierungsmethoden und Verfahren, die höhere Sicherheit bieten als traditionelle Passwort-basierte Systeme. Zudem gewinnen verschlüsselte Kommunikationskanäle und End-to-End-Verschlüsselung an Bedeutung, insbesondere in Branchen mit hohen Datenschutzanforderungen. Auch die Entwicklung und Implementierung von Post-Quanten-Kryptografie wird immer wichtiger, um zukünftige Bedrohungen durch Quantencomputer zu adressieren. Für Firmen wird deshalb das automatisierte Management diverser Schlüssel immer wichtiger, Certificate und Key Life Cycle Management sind hier gerade im Kommen.
Silicon Valley Europe: Wie unterscheiden sich Public Key Infrastructures (PKI) und Key Management Systems (KMS) in ihrer Anwendung?
Jürgen Ruf: PKI und KMS sind beide essenzielle Komponenten moderner IT-Sicherheitsarchitekturen, unterscheiden sich jedoch in ihrer Anwendung. PKI ermöglicht die Verwaltung und Nutzung digitaler Zertifikate und Schlüsselpaare zur sicheren Kommunikation und Authentifizierung. Sie ist besonders nützlich für die Sicherstellung der Identität von Nutzern und Geräten. KMS hingegen fokussiert sich auf die sichere Verwaltung von kryptografischen Schlüsseln, einschließlich der Generierung, Speicherung, Verteilung und Vernichtung dieser Schlüssel. Beide Systeme ergänzen sich und tragen gemeinsam zur Erhöhung der IT-Sicherheit bei.
Silicon Valley Europe: Wie können Cloudlösungen helfen, den Mangel an IT-Security-Personal zu kompensieren?
Jürgen Ruf: Cloudlösungen bieten eine skalierbare und kosteneffiziente Möglichkeit, Sicherheitsfunktionen auszulagern und somit den Mangel an IT-Security-Personal zu kompensieren. Durch die Nutzung von Cloud-Diensten können Unternehmen auf das Fachwissen und die Ressourcen spezialisierter Anbieter zurückgreifen, die fortschrittliche Sicherheitsmaßnahmen implementieren und verwalten. Zudem ermöglichen Cloudlösungen eine schnelle Anpassung an neue Bedrohungen und technologische Entwicklungen, ohne dass Unternehmen in eigene, oft teure IT-Infrastrukturen investieren müssen.
Silicon Valley Europe: Die MTG AG ist sehr gut im Bereich Post-Quanten Kryptografie (PQC) aufgestellt. Welche Risiken sehen Sie bei der Nutzung von Cloudlösungen und wie bereitet sich MTG auf die Bedrohungen durch Quantencomputer vor?
Jürgen Ruf: Im Hinblick auf die Bedrohungen durch Quantencomputer entwickelt MTG Post-Quanten-Kryptografie-Lösungen, die resistent gegen die Rechenleistung von Quantencomputern sind. Dazu gehört auch die Implementierung hybrider Verfahren, die klassische und post-quanten-kryptografische Algorithmen kombinieren, um eine nahtlose Übergangsphase zu gewährleisten. Bei der Nutzung von Cloudlösungen bestehen Risiken wie die Abhängigkeit von Drittanbietern, potenzielle Datenlecks und die Einhaltung von Datenschutzbestimmungen. Diese sind durch sorgfältige Recherche und Zertifizierungen der Cloudanbieter überschaubar.
Silicon Valley Europe: Können Sie uns erklären, was hybride Verfahren in der Post-Quanten Kryptografie sind und welche Vorteile sie bieten?
Jürgen Ruf: : Hybride Verfahren in der Post-Quanten Kryptografie kombinieren traditionelle kryptografische Algorithmen mit neuen, post-quanten-sicheren Algorithmen. Diese Ansätze bieten den Vorteil, dass sie eine zusätzliche Sicherheitsebene einführen, die sowohl gegen aktuelle als auch zukünftige Bedrohungen durch Quantencomputer resistent ist. Ein weiterer Vorteil ist die Interoperabilität mit bestehenden Systemen, was eine schrittweise und risikoarme Implementierung ermöglicht. Unternehmen können so ihre Sicherheitsinfrastruktur zukunftssicher gestalten, ohne bestehende Systeme vollständig ersetzen zu müssen.
Silicon Valley Europe: Welche neuen Technologien und Trends beobachten Sie im Bereich der IT-Security und Verschlüsselung?
Jürgen Ruf: Wir beobachten derzeit mehrere spannende Entwicklungen im Bereich der IT-Security und Verschlüsselung. Dazu gehören die zunehmende Integration von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning zur Bedrohungserkennung und -abwehr, die Weiterentwicklung von Zero-Trust-Architekturen sowie der verstärkte Einsatz von PKI- und Blockchain-Technologien zur Sicherung von Transaktionen und Identitäten. Zudem gewinnt die Post-Quanten-Kryptografie weiter an Bedeutung, um die Sicherheit gegenüber zukünftigen Bedrohungen durch Quantencomputer zu gewährleisten. Diese Technologien versprechen, die IT-Sicherheit auf ein neues Niveau zu heben und Unternehmen besser gegen die immer komplexer werdenden Cyber-Bedrohungen zu schützen.
Silicon Valley Europe: Vielen Dank für dieses überaus spannende und informative Gespräch.
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