Silicon Valley Europe

Im Gespräch mit Vivek Krishnatray, Projektleiter bei T-Systems

Im Gespräch mit Vivek Krishnatray, Projektleiter bei T-Systems

Ein exklusives Interview von Silicon Valley Europe

In Zeiten zunehmender Urbanisierung und wachsender Anforderungen an bürgernahe Services stehen Städte und Gemeinden unter enormem Veränderungsdruck. Wie gelingt es, Digitalisierung nicht nur zu denken, sondern konkret in der kommunalen Realität umzusetzen? Wie lassen sich Prozesse vereinfachen, der Zugang zur Verwaltung erleichtern – und das alles datensouverän, sicher und bürgerzentriert?

Dazu sprechen wir mit Vivek Krishnatray, einem der prägendsten Köpfe hinter Citykey, der innovativen Smart-City-Plattform der Deutschen Telekom.

Citykey ist mehr als nur eine Stadt-App – sie ist ein strategisches Werkzeug für digitale Souveränität, effiziente Verwaltungsservices und echte Bürgernähe. Von der digitalen Antragstellung über Mängelmelder bis hin zur Terminbuchung, Abfallkalender oder Umfragen: Citykey vereint zahlreiche Services in einer intuitiven App, die direkt mit den kommunalen Strukturen verbunden ist.

Unser Interviewpartner Vivek Krishnatray, ist Experte bei T-Systems und seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Verwaltung und urbanem Leben tätig, in diesem Interview gibt er tiefe Einblicke in die Entwicklung, Vision und Anwendungsmöglichkeiten der Plattform. Er erklärt, wie Citykey gemeinsam mit Kommunen in Deutschland entwickelt wird, warum offene Standards und skalierbare Infrastruktur essenziell für zukunftsfähige Städte sind – und wie durch die neue Kooperation mit Silicon Valley Europe der nächste Schritt in Richtung europaweiter smarter Kommunalservices möglich wird. Vivek Krishnatray ist überzeugt: „Citykey ist ein Werkzeug für digitale Souveränität, Bürgernähe und eine offene Smart-City-Infrastruktur.“
Als strategischer Vordenker und Umsetzer entwickelt er digitale Produkte für den öffentlichen Raum – mit dem Ziel, Städte nicht nur effizienter, sondern lebenswerter zu machen. Citykey wurde unter dem Dach der T-Systems entwickelt. 

Mit rund 26.000 Mitarbeitenden weltweit und einem Jahresumsatz von ca. 4 Milliarden Euro (2024) ist T-Systems eines der führenden europäischen Unternehmen für ICT- und Digitalisierungslösungen. Als Tochter der Deutschen Telekom steht T-Systems für Ende-zu-Ende-Lösungen, höchste Sicherheitsstandards und umfassende Branchenkompetenz – unter anderem in der öffentlichen Verwaltung.

Silicon Valley Europe: Herr Krishnatray, Sie arbeiten seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Technologie, Verwaltung und urbanem Leben. Was treibt Sie persönlich an, wenn es um die Digitalisierung unserer Städte geht?

Vivek Krishnatray: Ich bin überzeugt, dass digitale Werkzeuge dann den größten Wert entfalten, wenn sie den Alltag der Menschen konkret erleichtern. Mich fasziniert die Idee einer Stadt, in der digitale Services nicht isoliert stehen, sondern ineinandergreifen – wiederverwendbar, replizierbar und skalierbar. Citykey ist für mich der Schlüssel dazu: eine Plattform, die Städte befähigt, besser zu funktionieren und lebenswerter zu werden.
Silicon Valley Europe: Citykey wird oft als mehr als nur eine App beschrieben. Was ist für Sie das grundsätzliche Ziel dieser Plattform – und was unterscheidet sie von anderen Lösungen am Markt?

Vivek Krishnatray: Citykey ist kein weiteres Digitalisierungsprojekt – es ist ein Fundament. Unser Ziel war von Anfang an, eine offene, anpassbare und zukunftssichere Plattform zu schaffen, auf der sich digitale Dienste modular aufbauen lassen. Im Gegensatz zu proprietären Einzellösungen steht Citykey für Transparenz, Wiederverwendbarkeit und aktive Mitgestaltung. Mit unserem Open-Source-Ansatz setzen wir ein Zeichen für digitale Souveränität im öffentlichen Raum.
Silicon Valley Europe: Was genau können Bürger:innen mit Citykey heute schon erledigen – und was ist für die Zukunft geplant?

Vivek Krishnatray: Schon heute deckt Citykey viele häufig genutzte Funktionen ab: Mängelmelder, Abfallkalender, Online-Terminvereinbarung, Umfragen, Melderegisteranbindung – und das alles in einer intuitiven App. Für die Zukunft arbeiten wir an der Integration von Digital Twins, um städtische Prozesse wie Mobilität oder Umwelt in Echtzeit sichtbar zu machen. Die Stadt wird dadurch für Bürger:innen transparenter und greifbarer.
Silicon Valley Europe: Wie einfach ist es für Städte und Gemeinden, Citykey in ihre bestehenden Verwaltungsprozesse zu integrieren und viel wichtiger warum ist es so einfach? 

Vivek Krishnatray: Weil wir auf Standards setzen und Citykey modular aufgebaut ist. Unser Service-Portal ermöglicht Kommunen, Inhalte und Services zentral zu steuern – einmal gepflegt, überall aktuell. Dadurch entfallen doppelte Arbeit und manuelle Updates zwischen Web und App. Gleichzeitig sorgt ein durchdachtes Rollen- und Rechtekonzept für Klarheit und Effizienz in der Verwaltung.

Silicon Valley Europe: Welchen konkreten Vorteil haben Bürgermeister:innen, die Citykey in ihrer Kommune einführen – politisch, strategisch und im Kontakt mit den Bürger:innen?

Vivek Krishnatray: Citykey ist sichtbare Digitalisierung – ein Werkzeug, mit dem Bürgermeister:innen zeigen können: „Wir nehmen die Bedürfnisse der Bürger ernst.“ Gleichzeitig bietet es eine strategische Plattform, um Verwaltungsprozesse effizient zu gestalten und neue digitale Angebote schnell zu integrieren. Und politisch? Ein modernes, serviceorientiertes Auftreten schafft Vertrauen – gerade auf kommunaler Ebene.

Silicon Valley Europe: Wie kann Citykey dazu beitragen, das Vertrauen in die kommunale Verwaltung zu stärken und gleichzeitig als sichtbares Zeichen für moderne, zukunftsorientierte Stadtführung dienen? 

Vivek Krishnatray: Indem wir Prozesse verständlich machen, Rückmeldungen ermöglichen und Datenhoheit sicherstellen. Bürger:innen wollen nicht nur Service, sie wollen wissen, was mit ihren Daten passiert und wie Entscheidungen zustande kommen. Citykey ermöglicht transparente Kommunikation – und gibt der Verwaltung ein Gesicht.

Silicon Valley Europe: Viele Kommunen kämpfen mit begrenzten IT-Ressourcen. Ist Citykey auch für kleinere Städte oder ländliche Gemeinden eine realistische Option?

Vivek Krishnatray: Absolut. Genau deshalb setzen wir auf Wiederverwendbarkeit und Open Source. Eine Lösung, die in einer Stadt funktioniert, kann mit minimalem Aufwand in einer anderen Stadt repliziert werden. Und durch die Community können kleinere Kommunen vom Wissen und den Entwicklungen anderer profitieren.

Silicon Valley Europe: Wie stellen Sie sicher, dass Citykey sowohl barrierefrei als auch datenschutzkonform nutzbar ist?

Vivek Krishnatray: Barrierefreiheit ist für uns kein Add-on, sondern Teil des Designs. Genauso wie Datenschutz. Wir arbeiten strikt nach DSGVO und dem Prinzip der Datensparsamkeit. Sensible Daten werden nur dann erhoben, wenn sie absolut notwendig sind – und Bürger:innen behalten stets die Kontrolle.
Silicon Valley Europe: Sie betonen oft die Bedeutung offener Standards und gemeinsamer Entwicklung. Wie genau funktioniert die Zusammenarbeit mit den Kommunen bei der Weiterentwicklung von Citykey?

Vivek Krishnatray: Wir sehen Städte nicht als Kunden, sondern als Mitgestalter. Viele unserer Features entstehen im Dialog mit Kommunen – entweder über die Community, über unser Service-Portal oder im direkten Austausch. Jede Stadt kann Citykey weiterentwickeln – und diese Weiterentwicklungen kommen wieder allen zugute.

Silicon Valley Europe: Wie skalierbar ist die Lösung – sowohl technisch als auch organisatorisch – für den deutschlandweiten oder gar europaweiten Einsatz?

Vivek Krishnatray: Unsere Architektur ist genau darauf ausgelegt. Wir denken Citykey als Framework – es lässt sich lokal anpassen und zentral verwalten. Neue Funktionen können ausgerollt werden, ohne bestehende Prozesse zu stören. So entsteht eine Plattform, die über Grenzen hinweg funktioniert – sprachlich, technisch und organisatorisch.

Silicon Valley Europe: Welche Rolle spielen Partner wie Silicon Valley Europe bei der Verbreitung und Weiterentwicklung von Citykey?

Vivek Krishnatray: Eine entscheidende. Wir brauchen Netzwerke, die die Idee in neue Regionen, neue Branchen und neue Anwendungsfälle tragen. Silicon Valley Europe bringt nicht nur technologische Expertise, sondern auch die Perspektive europäischer Innovationskultur mit ein. Diese Partnerschaften sind der Schlüssel für Verbreitung und Vielfalt.
Silicon Valley Europe: Wo sehen Sie die deutschen Städte in fünf Jahren in Bezug auf digitale Bürgerservices? Und welche Rolle kann Citykey dabei einnehmen?

Vivek Krishnatray: Ich sehe Städte, in denen Digitalisierung nicht mehr als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit verstanden wird. Citykey kann dabei als Infrastruktur dienen – so selbstverständlich wie Strom oder Wasser – um digitale Dienste bereitzustellen. Mit Fokus auf Offenheit, Nachhaltigkeit und Partizipation.

Silicon Valley Europe: Was wäre Ihre Wunschvorstellung für eine ideale digitale Kommune? Welche Elemente müssen zusammenkommen, damit Digitalisierung wirklich bei den Menschen ankommt?

Vivek Krishnatray: Eine Stadt, in der Menschen ihre Anliegen unkompliziert digital erledigen können – unabhängig von Öffnungszeiten oder Verwaltungsstruktur. In dem Daten genutzt werden, um gezielt zu helfen, nicht zu kontrollieren. Und in der die Technik nicht im Mittelpunkt steht, sondern der Mensch.

Silicon Valley Europe: Was raten Sie Entscheider:innen in Städten und Gemeinden, die noch zögern, sich mit Citykey oder ähnlichen Plattformen zu befassen?

Vivek Krishnatray: Anfangen – mit einem ersten Dienst, einem Pilotprojekt. Citykey ist modular, man muss nicht alles auf einmal machen. Aber wer nie anfängt, wird auch nie sehen, was möglich ist.

Silicon Valley Europe: Wenn Sie Citykey in einem Satz zusammenfassen müssten – was wäre Ihre Botschaft an Bürger:innen, Verwaltung und Politik?

Vivek Krishnatray: Citykey ist der Schlüssel zur digitalen Kommune – offen, flexibel, gemeinschaftlich entwickelt und bereit für die Herausforderungen der Zukunft.

Silicon Valley Europe: Vielen herzlichen Dank für dieses sehr informative Gespräch und den Einblick in Ihre Arbeit mit einem gleichzeitigen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.