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Im Interview mit Tobias Stepan, CEO von Teamwire

Im Interview mit Tobias Stepan, CEO von Teamwire

Digitale Kommunikation ist heute mehr als ein einfacher Nachrichtenaustausch – sie ist geschäftskritisch, sicherheitsrelevant und strategisch entscheidend. Silicon Valley Europe hat sich mit Tobias Stepan, dem Gründer und Geschäftsführer der Teamwire GmbH, zu einem spannenden Interview getroffen. Im Mittelpunkt steht eine zentrale Frage: Wie lässt sich Kommunikation in einer zunehmend digitalisierten Welt souverän, sicher und benutzerfreundlich gestalten – und das ganz ohne Abhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Giganten?

Teamwire wurde vor über zehn Jahren als sichere WhatsApp-Alternative gegründet und hat sich seitdem zur führenden europäischen Collaboration-Plattform für Behörden, Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, das Gesundheitswesen und kritische Infrastrukturen entwickelt. Im Gespräch erläutert Tobias Stepan, warum Teamwire heute viel mehr ist als ein Messenger und welche Funktionen die Plattform zur echten Alternative für einsatzkritische Kommunikation machen.

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Thema EU-Datensouveränität. Mit klarer Abgrenzung zu US-Diensten und einem neuen, gemeinsam mit IONOS entwickelten Leitfaden stellt Teamwire unter Beweis, wie moderne Kommunikation mit europäischen Werten, rechtlicher Transparenz und höchsten Sicherheitsstandards vereinbar ist – ob in der Cloud, der Private Cloud oder On-Premises. Tobias Stepan betont im Interview: „Souveränität bedeutet nicht Verzicht – sondern Selbstbestimmung mit Innovationskraft.“

Darüber hinaus sprechen wir über die aktuellen Anforderungen der NIS-2-Richtlinie, warum echte Sicherheit über Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hinausgeht, welche Rolle Metadaten, Revisionssicherheit und Zero-Trust-Modelle spielen und weshalb Vertrauen auch technologische Transparenz braucht.

Tobias Stepan, der seine Karriere mit einem Wirtschaftsstudium an der LMU München begann, bringt neben unternehmerischer Erfahrung auch ein tiefes Verständnis für digitale Transformation und nachhaltige Digitalisierungsstrategien mit. Vor der Gründung von Teamwire leitete er erfolgreich das Europageschäft eines Silicon-Valley-Start-ups bis zu dessen Exit. Heute engagiert er sich leidenschaftlich für ein starkes, unabhängiges IT-Ökosystem in Europa. Hier lesen Sie das vollständige Interview. 

Silicon Valley Europe: Herr Stepan, Sie haben Teamwire vor über zehn Jahren gegründet – ursprünglich als sichere WhatsApp-Alternative. Wie hat sich Ihre Vision seitdem verändert, und was treibt Sie heute an?

Tobias Stepan: Als wir Teamwire gestartet haben, ging es zunächst darum, eine wirklich sichere und DSGVO-konforme Alternative zu WhatsApp für Unternehmen in (sicherheits)kritschen Bereichen zu schaffen. Damals war der Markt für sichere Business-Messaging-Lösungen in Europa praktisch leer. 

Heute ist die Vision gewachsen: Wir wollen die führende europäische Plattform für souveräne, ausfallsichere und einsatzkritische Kommunikation werden – nicht nur als Messenger, sondern als komplette Collaboration-Lösung.

Dabei treibt mich an, dass wir Organisationen häufig in Momenten helfen, in denen Kommunikation über Erfolg, über Business Continuity, über Abwehr von Gefahren und manchmal über Leben entscheidet. Sei es bei einem Polizeieinsatz, einem Cyberangriff oder in der Patientenversorgung. Das ist Verantwortung und Motivation zugleich.

Silicon Valley Europe: Welche Rolle spielte Ihre Erfahrung als Unternehmensberater und im Silicon Valley beim Aufbau von Teamwire?

Tobias Stepan: Ich habe gelernt, weitsichtig zu denken und gleichzeitig sehr pragmatisch zu handeln. Im Silicon Valley habe ich gesehen, wie schnell Technologie Märkte verändern kann. Als Berater habe ich gelernt, komplexe Probleme zu strukturieren und Lösungen ergebnisorientiert umzusetzen. Diese Mischung hat Teamwire geprägt: Wir entwickeln mit dem Anspruch, technologisch führend zu sein, aber immer mit einem ganz klaren Nutzen für den Anwender.

Silicon Valley Europe: Teamwire ist heute weit mehr als ein Messenger – Sie sprechen von einer Collaboration-Plattform. Was unterscheidet Teamwire konkret von klassischen Messaging-Diensten?

Tobias Stepan: Klassische Messenger sind oft reine Chat-Tools. Teamwire deckt alle Anwendungsfälle der einsatzkritischen Kommunikation und mobilen Zusammenarbeit ab. Neben 1:1- und Gruppen-Chats bieten wir z.B. Funktionen wie Alarmierungen, Live-Standort-Tracking, Push-to-Talk, Videokonferenzen, Broadcast-Messages, Foto- wie Kartenbearbeitung, Umfragen und sogar Augmented-Reality für Lagekarten.

Teamwire ist zudem speziell für Organisationen mit hohen Sicherheits-, Compliance- und Datenschutzanforderungen gebaut und verfügt über eine professionelle Sicherheitsarchitektur, deren Einstellungen und Richtlinien individuell konfigurierbar sind.

Dazu kommt: Wir integrieren uns nahtlos in bestehende Systeme, können in europäischen Rechenzentren oder On-Premise betrieben werden und erfüllen strengste regulatorische Vorgaben – das ist der Unterschied zwischen einem Alltagstool und einer hochverfügbaren Plattform für sicherheitsrelevante Unternehmen und Organisationen.

Silicon Valley Europe: Welche speziellen Funktionen machen Teamwire gerade für Behörden, KRITIS und das Gesundheitswesen besonders relevant?

Tobias Stepan: Da gibt es einige! Aber ich möchte auszugsweise einmal folgende nennen:

  • Verteilerlisten für Einsatzteams, Abteilungen und Regionen für schnelle Informationsverteilung.
  • Alarmierungs- und Notfallfunktionen inkl. dem Durchbrechen der Stummschaltung.
  • Lageübersicht mit Live-Standorten, “Points-of-Interest”, GPS-Koordinaten und Augmented Reality.
  • Zentrale Administration und Steuerung aller Nutzer, Geräte und Daten über ein Admin Dashboard.
  • Integration in bestehende IT-Systeme, z.B. Einsatzleit-, Vorgangs- und Krankenhausinformationssysteme.
  • Sicherer Austausch und Bearbeitung von Bildern, Videos und sensiblen Daten.
  • Revisionssichere Dokumentation für Ermittlungen oder Audits.

Und all diese Funktionen sind 100 % DSGVO-konform.

Silicon Valley Europe: Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Plattform trotz hoher Sicherheitsanforderungen einfach und intuitiv in der Nutzung bleibt?

Tobias Stepan: Wir haben ein einfaches Prinzip: Wenn ein Anwender im Einsatz erst ein Handbuch braucht, haben wir etwas falsch gemacht. Unser Design orientiert sich an gewohnten Messenger-Oberflächen, damit Nutzer keine Einarbeitung brauchen. Gleichzeitig arbeiten wir mit unseren Kunden eng zusammen, um Workflows zu optimieren – oft testen wir neue Funktionen direkt im realen Einsatzumfeld.

Silicon Valley Europe: Datensouveränität ist ein zentrales Thema bei Teamwire. Was bedeutet dieser Begriff für Sie ganz konkret?

Tobias Stepan: Datensouveränität heißt für uns, dass Organisationen die volle Kontrolle darüber haben, wo ihre Daten liegen, wer Zugriff hat und wie diese verarbeitet werden können. Es geht hierbei vor allem darum, mit umfassenden Steuerungsmöglichkeiten und Richtlinien (wie z.B. Datenaufbewahrungsfristen) dem Kunden absolute Hoheit über seine Daten zu gewährleisten. Aber auch Dinge wie Standorte der Rechenzentren, genutzte Drittsoftware, die Verschlüsselung, kontrollierte Zugänge und der juristische Rahmen spielen eine Rolle.

Silicon Valley Europe: Sie haben gemeinsam mit IONOS einen Leitfaden zur Datensouveränität veröffentlicht. Was waren die wichtigsten Erkenntnisse daraus?

Tobias Stepan: Eine der zentralen Erkenntnisse: Viele Organisationen unterschätzen die Risiken, wenn sie US-Tools einsetzen. Die rechtliche Lage – Stichwort US CLOUD Act und FISA – kann im Konflikt mit der DSGVO stehen. Gleichzeitig haben wir gezeigt, dass europäische Alternativen in einigen Fällen heute nicht nur (ausfall)sicherer, sondern auch technologisch ebenbürtig sind.

Silicon Valley Europe: Wie bewerten Sie die Risiken durch US-amerikanische Tools im Hinblick auf CLOUD Act, Datenschutz und europäische Rechtssicherheit?

Tobias Stepan: Sie sind mehr als real und nicht theoretisch. Der US CLOUD Act und FISA erlauben US-Behörden den Zugriff auf Daten – selbst wenn diese in europäischen Rechenzentren liegen. Das ist ein Compliance-Risiko, das sich kein KRITIS-Betreiber und keine Behörde leisten kann. Deshalb setzen wir bewusst auf europäische Infrastruktur und Rechtssicherheit.

Silicon Valley Europe: Viele Anbieter werben mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Sie sagen, echte Sicherheit gehe weit darüber hinaus. Was genau meinen Sie damit?

Tobias Stepan:  Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt den Inhalt – aber nicht unbedingt die Metadaten. Wer kommuniziert wann, mit wem, wie oft, von wo – diese Informationen sind meistens genauso sensibel. Und oft aussagekräftiger als der Inhalt der Nachricht. Wir schützen auch diese Metadaten und kombinieren das mit Zero-Trust-Architektur, strikter Zugriffskontrolle, revisionssicherer Speicherung und transparenten Audit-Logs für unsere Kunden.

Silicon Valley Europe: Welche Rolle spielen Themen wie Metadaten, Revisionssicherheit und Zero-Trust-Architekturen bei Ihnen?

Tobias Stepan: Eine zentrale. Metadaten können Rückschlüsse auf Strukturen, Einsatzpläne oder kritische Abläufe geben. Deshalb minimieren wir solche Daten und verschlüsseln auch diese. Revisionssicherheit wie Archivierung ist Pflicht in vielen Branchen, und Zero Trust ist unser Grundprinzip: Niemandem wird per se vertraut, jeder Zugriff wird geprüft.

Silicon Valley Europe: Die NIS-2-Richtlinie wird derzeit in deutsches Recht umgesetzt. Inwiefern ist Teamwire darauf vorbereitet?

Tobias Stepan: Wir erfüllen die Anforderungen schon heute – von strenger Zugangskontrolle über Ausfallsicherheit bis hin zu klaren Prozessen im Sicherheitsvorfall. Viele unserer Kunden sehen Teamwire deshalb als Baustein ihrer NIS-2-Strategie. Immer häufiger werden wir auch als Backup für US-Cloud-Lösungen eingesetzt.

Silicon Valley Europe: Was empfehlen Sie Organisationen, die sich jetzt mit der NIS-2-Umsetzung auseinandersetzen müssen?

Tobias Stepan: Sie sollten sofort anfangen, Anforderungen klären, eine Gap-Analyse machen – und die Kommunikationswege in Krisenszenarien prüfen. Viele merken erst im Ernstfall, dass Standardtools ausfallen oder nicht sicher genug sind.

Nachdem das Bundeskabinett kürzlich das neue IT-Sicherheitsgesetz beschlossen hat, wird NIS-2 nun endgültig ins deutsche Recht überführt. Es ist also Zeit, dass sich Unternehmen und Behörden hierzulande wirklich mit der Richtlinie befassen und Theorie in die Praxis umsetzen.

Silicon Valley Europe: Lassen Sie uns einmal einen Blick auf die Technologie & Infrastruktur werfen. Sie bieten verschiedene Hosting-Modelle an – von Cloud über Private Cloud bis hin zu On-Premises. Wie entscheiden Kunden, welches Modell zu ihnen passt?

Tobias Stepan: Das hängt von der jeweiligen IT-Strategie, dem Grad der digitalen Souveränität, den regulatorischen Vorgaben und den internen Ressourcen ab. Manche Kunden wollen volle physische Kontrolle über ihre Systeme, andere wollen die Skalierbarkeit der Cloud – wir bieten das ganze Spektrum. 

Silicon Valley Europe: Welche Rolle spielt dabei die Infrastruktur in europäischen Rechenzentren – auch im Hinblick auf Zertifizierungen wie BSI C5 oder ISO 27001?

Tobias Stepan: Eine große Rolle – und sie werden für Kunden immer wichtiger. Zertifizierungen sind nicht nur ein Gütesiegel, sondern eine Garantie für geprüfte Prozesse und Sicherheit. Unsere Infrastruktur in Deutschland erfüllt ISO 27001 und BSI C5 – das ist für viele Kunden ein entscheidendes Auswahlkriterium.

Silicon Valley Europe: Gerne möchten wir zum Ende des Interviews mit Ihnen noch einmal in die Zukunft schauen. Sind Sie bereit? Wie sehen Sie die Rolle Europas in der globalen IT-Welt? Was braucht es, um ein starkes europäisches IT-Ökosystem weiter auszubauen?

Tobias Stepan: Europa hat das Potenzial, technologisch in vielen Bereichen ganz vorne mitzuspielen – wenn wir konsequent eigene Lösungen entwickeln, Innovationen fördern, europäische Player aufbauen und faire Wettbewerbsbedingungen schaffen. Wir brauchen mehr Mut, mit Weitsicht europäische Produkte einzusetzen, statt reflexartig zu US-Diensten zu greifen.

Silicon Valley Europe: Was sind Ihre nächsten Schritte mit Teamwire? Welche Entwicklungen oder Funktionen können wir in Zukunft erwarten? 

Tobias Stepan: Wir planen, unsere Plattform weiter auszubauen mit noch mehr Automatisierungs- und Integrationsmöglichkeiten, um die Digitalisierung von Arbeitsprozessen weiter zu vereinfachen und zu beschleunigen. Zudem wollen wir die Nutzererfahrung weiter verbessern und noch mehr Funktionen für die einsatzkritische Kommunikation und mobile Zusammenarbeit entwickeln, damit die Applikation noch breiter eingesetzt werden kann. Wir haben zahlreiche spannende Innovationen geplant (wie z.B. die kürzlich veröffentlichte Augmented Reality von Live-Standorten), aber wollen an der Stelle noch nicht zu viel verraten. Wichtig ist uns zudem der Ausbau des Geschäfts in der EU außerhalb von DACH.

Silicon Valley Europe: Vielen lieben Dank für dieses spannende Gespräch und den Einblick in Ihre Arbeit genau wie in die zukünftige Zielsetzung Ihres Unternehmens.